Bayer treibt den Abbau seiner hohen Verschuldung mit einer Serie von Transaktionen voran. Innerhalb weniger Wochen sicherte sich der Konzern frisches Eigenkapital von einem US-Investor, platzierte eine milliardenschwere Anleihe am amerikanischen Kapitalmarkt und senkte seine eigene Schuldenprognose zum Jahresende. Anleger reagierten positiv: Die Aktie schloss am Freitag bei 49,90 Euro, ein Plus von 1,05 Prozent zum Vortag.

Apollo steigt bei Verhütungsgeschäft ein

Am 10. Juli einigte sich Bayer mit Apollo Global Management auf eine Transaktion im Bereich reversible Langzeit-Kontrazeptiva, dem sogenannten LARC-Geschäft. Apollo übernimmt eine Minderheitsbeteiligung an einer neu gegründeten Gesellschaft, wie Handelsblatt berichtete. Bayer selbst sichert sich dadurch 3,0 Milliarden Euro an Eigenkapital, bleibt aber Mehrheitseigner und behält die operative Kontrolle über das Geschäft. Der Abschluss der Transaktion wird für das dritte Quartal 2026 erwartet. Für den Konzern ist der Deal ein weiterer Baustein, um Kapital zu mobilisieren, ohne sich von Kerngeschäften zu trennen.

Milliardenanleihe in den USA mehrfach überzeichnet

Wenige Tage später, am 15. Juli, ging Bayer über seine Tochtergesellschaft Bayer US Finance LLC an den Anleihemarkt. Der Konzern platzierte Anleihen im Volumen von 5 Milliarden US-Dollar, verteilt auf fünf Tranchen mit Laufzeiten zwischen fünf und dreißig Jahren. Die Emission war nach Unternehmensangaben mehrfach überzeichnet, das Closing erfolgte am 20. Juli. Die hohe Nachfrage gilt als Signal dafür, dass institutionelle Investoren trotz laufender Rechtsrisiken weiterhin Vertrauen in die Kreditwürdigkeit des Konzerns setzen.

Schuldenprognose nach unten korrigiert

Am vergangenen Donnerstag legte Bayer seine Quartalszahlen vor und nutzte den Termin, um die Schuldenprognose anzupassen. Statt bislang 32 bis 33 Milliarden Euro rechnet der Konzern zum Jahresende nun mit einer Nettofinanzverschuldung von 29 bis 30 Milliarden Euro, wie die Nachrichtenagentur dpa-AFX meldete. Zum 30. Juni lag die Nettofinanzverschuldung noch bei 33,647 Milliarden Euro, ein Anstieg von 3,5 Prozent gegenüber Ende März. Der freie Cashflow im zweiten Quartal war mit minus 371 Millionen Euro deutlich negativ, nachdem er im Vorjahresquartal noch bei plus 125 Millionen Euro gelegen hatte – belastet unter anderem durch höhere Zahlungen im Rahmen laufender Rechtsstreitigkeiten. Vor diesem Hintergrund erhalten die zusätzlichen Kapitalquellen aus dem Apollo-Deal und der Anleiheemission zusätzliches Gewicht: Sie sollen helfen, das gesenkte Schuldenziel trotz weiterhin hoher Litigation-Kosten zu erreichen. Konzernchef Bill Anderson äußerte sich zudem zuversichtlich zur rechtlichen Ausgangslage und sprach von einer starken Position mit wichtigen Meilensteinen vor der Containment-Strategie des Konzerns.

Deutsche Bank bestätigt Kaufempfehlung

Die Kapitalmaßnahmen fanden auch bei Analysten Beachtung. Am Freitag bestätigten die Analysten von Deutsche Bank Research ihre Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 60 Euro. Analystin Virginie Boucher-Ferte bezeichnete das zweite Quartal als solide und verwies darauf, dass das operative Ergebnis elf Prozent über der Konsensschätzung gelegen habe.

Die Aktie notiert damit weiterhin unterhalb ihres 52-Wochen-Hochs von 53,86 Euro, das der Titel Anfang Juli erreicht hatte – der Abstand beträgt aktuell 7,35 Prozent. Ob die Kombination aus Bilanzentlastung, günstiger Refinanzierung und positiver Analystenresonanz ausreicht, um diese Marke wieder zu erreichen, dürfte auch davon abhängen, wie sich die laufenden Rechtsverfahren in den kommenden Monaten entwickeln.