Am kommenden Freitag tritt Bayer vor seine Aktionäre — und die Hauptversammlung bringt mehr als eine Routineabstimmung. Zwei langjährige Kontrolleure verlassen das Gremium, zwei neue Gesichter sollen übernehmen. Parallel dazu kämpft der Konzern mit einem milliardenschweren Cashflow-Loch.

Neue Köpfe im Kontrollgremium

Paul Achleitner und Colleen Goggins scheiden nach der HV aus. Für sie sollen OMV-Chef Alfred Stern und der niederländische Manager Marcel Smits nachrücken. Stern bringt Führungserfahrung aus dem Energiesektor sowie Expertise in Governance- und Nachhaltigkeitsfragen mit. Smits war unter anderem bei Cargill und Sara Lee tätig.

Die Neubesetzung ist Teil einer breiteren Neuaufstellung des Konzerns — ob die Kandidaten breite Aktionärsunterstützung erhalten, entscheidet sich am 24. April.

Schulden sinken, Cashflow bleibt negativ

Auf der Bilanzseite gibt es gemischte Signale. Die Nettofinanzverschuldung sank bis Ende 2025 um 8,5 Prozent auf rund 29,8 Milliarden Euro — getrieben durch operative Mittelzuflüsse und positive Währungseffekte. Für 2026 rechnet das Management allerdings mit einem negativen freien Cashflow von rund 5 Milliarden Euro.

Die Dividende bleibt bei 0,11 Euro je Aktie — identisch mit dem Vorjahr. Kein Signal der Stärke, aber auch kein weiterer Rückschnitt.

ESG-Hochpunkt, Aktie im Aufwind

Weniger beachtet, aber bemerkenswert: Bayer hält nun das beste Nachhaltigkeits-Ratingprofil seiner Geschichte. MSCI vergab erstmals ein AA-Rating, Sustainalytics hob Ende 2025 seine „Red Flag“ auf — mit Verweis auf Fortschritte beim Glyphosat-Litigation-Risiko.

Die Aktie legte seit Jahresbeginn knapp 10 Prozent zu und notiert aktuell bei rund 40 Euro. Der Kurs liegt dabei nur knapp über dem 100-Tage-Durchschnitt bei 39,93 Euro — der Puffer ist dünn.

Für 2026 peilt Bayer stabile Ergebnisse auf währungsbereinigter Basis an und will mit dem Dynamic-Shared-Ownership-Modell Einsparungen von zwei Milliarden Euro realisieren. Der Turnaround läuft — das negative Cashflow-Ziel für das laufende Jahr zeigt aber, dass der Weg noch weit ist.