Bayer hat mit positiven Studienergebnissen zu seinem Wirkstoff Finerenon, vermarktet unter dem Namen Kerendia, ein neues Kapitel in der Pharma-Pipeline aufgeschlagen. Die Phase-III-Studie FIND-CKD zeigte Ende August positive Resultate bei Patienten mit nicht-diabetischer chronischer Nierenerkrankung. Der Konzern hat inzwischen Zulassungsanträge in China, der EU und Japan eingereicht.
Für Bayer ist das mehr als eine Randnotiz. Die Pharmasparte kämpfte im zweiten Quartal mit höheren Vermarktungsausgaben und verzeichnete dort ein Umsatzminus von 3,6 Prozent. Ein zusätzliches Anwendungsgebiet für ein bereits etabliertes Präparat wie Kerendia könnte diese Schwäche mittelfristig ausgleichen, ohne dass der Konzern ein komplett neues Molekül durch die aufwendige frühe Entwicklungsphase bringen muss.
Onkologie liefert bereits Impulse
Die Erweiterung der Nieren-Indikation reiht sich in eine Serie von Pharma-Fortschritten ein. Erst am vergangenen Donnerstag hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA dem Lungenkrebsmedikament Sevabertinib, das unter dem Namen Hyrnuo vermarktet wird, eine beschleunigte Zulassung für die First-Line-Behandlung von HER2-mutiertem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom erteilt.
In der zugrunde liegenden Phase-I/II-Studie SOHO-01 erreichte das Präparat bei 69 vorbehandelten Patienten eine Ansprechrate von 75 Prozent. Der Wirkstoff war zuvor bereits in Japan zugelassen worden.
Auch das Krebsmittel Nubeqa liefert weiterhin verlässliche Beiträge: Im zweiten Quartal erzielte es einen Umsatz von 820 Millionen Euro. Zusammen mit der im Juni abgeschlossenen Übernahme von Perfuse Therapeutics, die Bayer den Wirkstoffkandidaten PER-001 gegen Glaukom und diabetische Retinopathie einbrachte, entsteht so ein Bild einer Pharma-Pipeline, die trotz kurzfristiger Ergebnisdellen an mehreren Fronten gleichzeitig vorankommt.
Bilanz und Kurs spiegeln die Stabilisierung
Die Halbjahreszahlen von Anfang August untermauern das Bild eines Konzerns, der seine Finanzlage schrittweise ordnet. Der Umsatz stieg währungs- und portfoliobereinigt um 3,3 Prozent auf 24,277 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA legte um 6,6 Prozent auf 6,597 Milliarden Euro zu.
Besonders bemerkenswert: Bayer senkte seine Guidance für die Nettofinanzverschuldung von ursprünglich 32 bis 33 Milliarden Euro auf 29 bis 30 Milliarden Euro, nachdem eine Vereinbarung mit Apollo zusätzlichen finanziellen Spielraum geschaffen hatte.
An der Börse zeigt sich diese Entwicklung in einem deutlich gefestigten Kursniveau. Die Aktie schloss am Freitag bei 48,19 Euro, ein Minus von 0,6 Prozent zum Vortag.
Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 30 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sogar von 67 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 53,86 Euro, erreicht Anfang Juli, trennen das Papier derzeit rund 11 Prozent.
Die Bewertungslage bleibt damit zweigeteilt: Einerseits belegen die jüngsten Pharma-Meilensteine, dass Bayer außerhalb der juristischen Altlasten operative Fortschritte erzielt.
Andererseits bleibt die für Sonntag folgende Woche angesetzte Anhörung zur endgültigen Genehmigung des Glyphosat-Sammelvergleichs in Missouri, terminiert auf den 14. September, ein Unsicherheitsfaktor, dessen Ausgang das bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar schwere Vergleichsvolumen betrifft. Anleger dürften die kommenden Wochen daher weiterhin als Abwägung zwischen pharmazeutischem Fortschritt und juristischer Restunsicherheit lesen.
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