Starke Kursgewinne an der Börse treffen auf politische Gegenwehr. Der Bundestag stimmt an diesem Freitag über die Finanzreform der Krankenkassen ab. Für die Pharmabranche und Konzerne wie Bayer wird es teuer. Das Gesetz belastet die Industrie deutlich stärker als ursprünglich geplant.

Die Kostenexplosion für Hersteller

Die Bundesregierung will ein Milliardenloch im Gesundheitssystem stopfen. Schon im Jahr 2027 fehlen der gesetzlichen Krankenversicherung voraussichtlich 15,3 Milliarden Euro. Deshalb bittet Berlin die forschende Pharmaindustrie nun massiv zur Kasse.

Der Herstellerabschlag auf patentgeschützte Medikamente steigt einmalig auf 15,5 Prozent. Bisher lag er bei sieben Prozent. Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) rechnet mit drastischen Folgen. Die Folge: Die finanzielle Last vervielfacht sich.

Ursprünglich kalkulierte der Kabinettsentwurf für 2027 mit einer Milliardenbelastung für die Branche. Genauer gesagt mit 1,2 Milliarden Euro. In der aktuellen Parlamentsfassung springt dieser Wert auf rund 4,1 Milliarden Euro.

Hinzu kommen weitere regulatorische Daumenschrauben. Die Politik zieht die Preis-Mengen-Regelung um 50 Prozent an. Ein höherer Impfstoffabschlag und ein Preismoratorium bis 2030 belasten zusätzlich. Die Mehrkosten summieren sich bis zum Ende des Jahrzehnts auf 4,5 Milliarden Euro.

Der Branchenverband kritisiert eine völlig ungleiche Verteilung der Lasten. Während des Gesetzgebungsverfahrens entlastete der Bundestag Krankenhäuser und Patienten. Die Pharmaindustrie zahlt als einziger Leistungserbringer an mehreren Stellen drauf. Der GKV-Spitzenverband sieht das völlig anders. Dort verweist man auf historische Abschläge von 17 Prozent.

Kursrally trotzt der Politik

Trotz der drohenden Margenbelastung dominiert ein anderes Thema den Aktienkurs. Bayer-Aktionäre schauen weiterhin gebannt auf die US-Glyphosat-Verfahren. Die Aktie notierte am Donnerstagabend bei 50,70 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 33,33 Prozent auf der Anzeigetafel.

Der Titel bewegt sich nahe am 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro. Zuletzt gönnte sich das Papier eine kleine Verschnaufpause. Auf Wochensicht gab der Kurs um 4,41 Prozent nach.

Ein Blick auf die Technik zeigt eine anhaltend hohe Dynamik. Der RSI notiert bei 73,0 im überkauften Bereich. Die annualisierte Volatilität von 63,12 Prozent signalisiert weiterhin unruhige Handelstage für Investoren.

Bayer steht nun vor zwei parallelen Herausforderungen. In den USA diktieren die Gerichte den mittelfristigen Kursverlauf. In Deutschland droht mit dem heutigen Bundestagsbeschluss eine handfeste strukturelle Mehrbelastung. Ab 2027 fressen die höheren Herstellerabschläge direkt in die Margenplanung des Gesundheitskonzerns.