Bayer hat in Japan die Zulassung für Sevabertinib unter dem Handelsnamen Hyrnuo erhalten. Das Präparat richtet sich gegen HER2-mutiertes nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, eine bislang schwer therapierbare Krebsform. Die Meldung wurde am Dienstag in einer zweiten Berichterstattungswelle aufgegriffen und markiert für Bayer einen konkreten Fortschritt in der Onkologie-Pipeline.

Der Erfolg kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Konzern seine Präsenz in der Kardiologie und Nephrologie ausbaut. Bayer kündigte an, auf dem ESC-Kongress 2026 in München von Freitag bis Montag neue Phase-III-Daten aus kardiovaskulären, Nieren- und Schlaganfall-Programmen vorzustellen.

Die Kombination aus onkologischer Zulassung und kardiovaskulärer Datenlieferung signalisiert, dass Bayer sein Pharmageschäft auf mehreren Feldern gleichzeitig vorantreibt, statt sich auf einen einzelnen Wirkstoff zu verlassen.

Weitere regulatorische Fortschritte in China

Auch in China bewegt sich das Pharmaportfolio voran. Die chinesische Arzneimittelbehörde NMPA hat den Zulassungsantrag für Aflibercept 8 mg zur Prüfung angenommen. Das Präparat soll ein Makulaödem nach retinalem Venenverschluss behandeln.

Zusammen mit der Japan-Zulassung von Hyrnuo zeigt sich, dass Bayer in Asien mehrere Zulassungsverfahren parallel vorantreibt – ein Signal für Anleger, dass die Pharmasparte trotz der Altlasten im Agrarchemiegeschäft an Substanz gewinnt.

Diese Fortschritte fügen sich in ein Bild, das der Konzern bereits mit den Quartalszahlen Anfang August gezeichnet hatte. Bayer meldete für das zweite Quartal 2026 einen währungsbereinigt um 2,2 Prozent gestiegenen Umsatz von 10,9 Milliarden Euro sowie ein EBITDA vor Sondereinflüssen von 2,1 Milliarden Euro. Die Jahresziele wurden trotz der Belastungen im Agrarchemiegeschäft bestätigt, der Konzern betonte den Fokus auf Schuldabbau und operative Umsetzung.

Glyphosat bleibt der Schatten über der Bilanz

Während sich die Pharmasparte mit Zulassungen profiliert, hängt über dem Konzern weiterhin die juristische Aufarbeitung des Glyphosat-Komplexes. Der ursprünglich für den 19. August angesetzte Gerichtstermin zur endgültigen Genehmigung des Roundup-Vergleichs wurde auf den 14. September verschoben.

Bis dahin bleibt offen, wie belastbar der ausgehandelte Vergleich juristisch tatsächlich ist – für Anleger bleibt dies der entscheidende Risikofaktor neben den operativen Fortschritten.

An der Kursentwicklung lässt sich ablesen, dass der Markt die positiven Pharma-Nachrichten bislang eingepreist hat, ohne euphorisch zu reagieren. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 48,92 Euro, ein Minus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vortag.

Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 32 Prozent, über zwölf Monate sogar von 72 Prozent – ein Beleg dafür, dass die Erholung von den Tiefstständen bereits weit fortgeschritten ist. Zum 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro fehlen der Aktie derzeit 9,2 Prozent.

Für die kommenden Wochen dürften zwei Termine die Richtung vorgeben: der ESC-Kongress mit neuen klinischen Daten und die verschobene Glyphosat-Anhörung am 14. September. Beide Ereignisse liegen dicht beieinander und könnten die Volatilität der Aktie, die aktuell bei 23 Prozent auf 30-Tage-Basis liegt, kurzfristig erhöhen.