Drei Zulassungen, ein Medikament, ein Konzern mit Rückenwind: Bayer hat für Kerendia die dritte US-Indikation erhalten. Die FDA gab im beschleunigten Prüfverfahren grünes Licht für den Einsatz bei chronischer Nierenerkrankung in Verbindung mit Typ-1-Diabetes.

Das klingt zunächst nach einer Randnotiz im Zulassungsdickicht der Pharmabranche. Ist es aber nicht. Für die betroffenen Patienten ist es die erste neue Behandlungsoption seit mehr als 30 Jahren. Rund 30 Prozent der Menschen mit Typ-1-Diabetes entwickeln in den USA eine chronische Nierenerkrankung — bislang ohne spezifisch zugelassene Therapie in diesem Bereich.

Vom Nischenprodukt zum Blockbuster

Kerendia, chemisch Finerenon, war ursprünglich für die Kombination aus chronischer Nierenerkrankung und Typ-2-Diabetes zugelassen, später kam die Indikation bei bestimmten Formen der Herzinsuffizienz hinzu. Mit jeder neuen Zulassung wächst der adressierbare Patientenkreis — und damit das Umsatzpotenzial.

Die Zahlen zeigen bereits, wie dynamisch sich das Geschäft entwickelt. Im zweiten Quartal 2026 setzte Bayer mit dem Präparat 329 Millionen Euro um, ein Plus von rund 80 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Auf Jahresbasis dürfte Finerenon damit erstmals die Blockbuster-Schwelle von einer Milliarde Euro überschreiten — nach 829 Millionen Euro im gesamten Jahr 2025. Bayer selbst traut dem Wirkstoff langfristig Spitzenumsätze von mehr als drei Milliarden Euro jährlich zu.

Die USA sind das erste Land, in dem die neue Indikation zugelassen wurde. Weitere Märkte könnten folgen, sollten die Zulassungsbehörden dort ähnliche Studiendaten anerkennen.

Kursreaktion bleibt moderat

Die Bayer-Aktie reagierte auf die Nachricht mit einem leichten Plus im vorbörslichen Handel. Angesichts der Schuldenlast aus der Monsanto-Übernahme und der laufenden Rechtsstreitigkeiten rund um Glyphosat bleibt Kerendia für viele Beobachter einer der wenigen klar positiven Bausteine im Pharmageschäft des Konzerns.

Für die Pharmasparte, die neben Kerendia auch auf das Blutverdünnungsmittel Xarelto setzt, ist die dritte Zulassung ein Signal an den Markt: Das Wachstumsversprechen rund um Finerenon lässt sich mit belastbaren Zahlen unterlegen. Wie stark sich das auf die Konzernbewertung insgesamt auswirkt, wird sich an den kommenden Quartalszahlen zeigen, wenn die US-Erweiterung erstmals vollständig in die Umsatzentwicklung einfließt.