Bayer hat seine Prognose für die Nettofinanzverschuldung 2026 spürbar nach unten korrigiert. Statt bisher 32 bis 33 Milliarden Euro rechnet der Konzern nun mit 29 bis 30 Milliarden Euro zum Jahresende. Die Verbesserung geht wesentlich auf die Vereinbarung mit Apollo Global Management zurück, die dem Unternehmen frisches Eigenkapital in Höhe von 3,0 Milliarden Euro bringt.
Apollo-Deal als Hebel für die Bilanz
Bayer hatte im Juli mit dem Finanzinvestor eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft für reversible Langzeit-Verhütungsmittel vereinbart. Der Konzern behält dabei die Mehrheit und die operative Kontrolle über das Geschäft, der Abschluss der Transaktion ist für das dritte Quartal 2026 geplant. Die daraus fließenden Mittel entlasten die Bilanz zusätzlich zu operativen Verbesserungen im laufenden Geschäft.
Für Anleger ist die Entwicklung deshalb relevant, weil die hohe Verschuldung seit Jahren als eines der zentralen Risiken für die Bayer-Aktie gilt. Eine strukturelle Entlastung der Bilanz schafft finanziellen Spielraum, etwa für die Bewältigung der noch laufenden Rechtsrisiken rund um Glyphosat, ohne dass der Konzern zusätzliches Fremdkapital aufnehmen muss.
Operatives Geschäft stützt die Zahlen
Die reduzierte Schuldenprognose steht nicht isoliert, sondern fügt sich in ein insgesamt solides erstes Halbjahr 2026. Bayer meldete einen Umsatz von 24,277 Milliarden Euro, ein bereinigtes Plus von 3,3 Prozent. Das EBITDA vor Sondereinflüssen legte um 6,6 Prozent auf 6,597 Milliarden Euro zu, der Core-Gewinn je Aktie stieg um 3,4 Prozent auf 3,66 Euro.
Der Konzern bestätigte zugleich seine Jahresprognose für alle Kennzahlen mit Ausnahme der nun gesenkten Verschuldungsziele. Für das Gesamtjahr peilt Bayer weiterhin ein bereinigtes EBITDA zwischen 9,6 und 10,1 Milliarden Euro sowie einen Core-Gewinn je Aktie von 4,30 bis 4,90 Euro an.
Getragen wird die operative Entwicklung unter anderem von der Pharmasparte: Die Präparate Nubeqa und Kerendia wuchsen zusammen um 66 Prozent und kompensierten damit den Rückgang beim Augenmedikament Eylea, das durch Biosimilar-Konkurrenz unter Druck steht und im zweiten Quartal um 27 Prozent einbrach.
Kurs spiegelt die Entlastung
Der Aktienmarkt hat die Bilanzverbesserung positiv aufgenommen. Bayer schloss am Dienstag bei 49,33 Euro, nach einem Tagesplus von 1,3 Prozent. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursgewinn von 33 Prozent zu Buche – ein deutliches Signal dafür, dass die Kombination aus sinkender Verschuldung und stabiler operativer Entwicklung bei Investoren Vertrauen zurückgewinnt.
Auf der Führungsebene hat sich zudem ein Wechsel vollzogen: Seit Anfang Juni verantwortet Dr. Judith Hartmann als neue Finanzchefin die Bilanzsteuerung, nachdem ihr Vorgänger Wolfgang Nickl in den Ruhestand gewechselt ist.
Die Entschuldung dürfte damit auch zu einem frühen Erfolgsnachweis für die neue CFO werden – ein Faktor, den Anleger in den kommenden Quartalen genau beobachten werden, insbesondere im Zusammenspiel mit den laufenden Rechtsverfahren zu Glyphosat.
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