Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten vom 25. Juni 2026 hat die Ausgangslage für Bayer im Glyphosat-Komplex spürbar verändert. Die Entscheidung schränkt die Grundlage für Klagen gegen den Unkrautvernichter Roundup ein und gilt als einer der wichtigsten juristischen Erfolge des Konzerns in diesem Rechtsstreit der vergangenen Jahre. Analysten reagierten daraufhin mit angehobenen Kurszielen für die Bayer-Aktie, wie am 21. Juli 2026 berichtet wurde.

Ruveon zieht Antidumpingantrag zurück

Parallel zur juristischen Entlastung sorgte die Bayer-Tochter Ruveon für eine zweite Nachricht mit Signalwirkung für die US-Agrarwirtschaft. Ruveon, das nach Angaben aus der Berichterstattung rund 60 Prozent des in den USA hergestellten Glyphosats produziert, hatte Ende Juni 2026 Antidumping- und Ausgleichszollanträge gegen Glyphosat-Importe aus China gestellt. Nach Widerstand aus der Landwirtschaft zog das Unternehmen die Anträge im Juli 2026 wieder zurück.

Landwirtschaftsverbände begrüßten den Schritt ausdrücklich. Die National Corn Growers Association, die American Soybean Association und die National Association of Wheat Growers lobten die Rücknahme als Erleichterung für Farmer, die steigende Kosten für Betriebsmittel fürchteten. Matt Frostic, laut Berichterstattung erster Vizepräsident der NCGA, ordnete den Rückzug beim Corn Congress im Juli 2026 als Fortschritt ein, wies aber zugleich darauf hin, dass die Lücke bei den Anbaukosten gegenüber Brasilien einer eigenen Studie der NCGA zufolge größer ausfalle als erwartet. Die Zollfrage rund um Glyphosat berührt damit unmittelbar Bayers Position als größter Anbieter des Wirkstoffs auf dem US-Markt.

Aktie gibt Gewinne der Vorwochen teilweise ab

An der Börse zeigte sich die Bayer-Aktie am Dienstag mit 47,25 Euro nahezu unverändert, ein Plus von 0,51 Prozent gegenüber dem Vortag. Der Kurs bewegt sich damit weiterhin deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro, das am 3. Juli 2026 erreicht wurde – der Abstand beträgt aktuell 12,27 Prozent. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Minus von 3,79 Prozent zu Buche, ein Zeichen dafür, dass die Aktie nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Monate zuletzt etwas Federn gelassen hat. Über das laufende Jahr gerechnet bleibt die Bilanz dennoch deutlich positiv.

Stimmrechte und Terminkalender

Der französische Vermögensverwalter Amundi S.A. meldete am 21. Juli 2026 eine Reduzierung seines Stimmrechtsanteils an Bayer auf 2,96 Prozent, entsprechend 29.109.432 Aktien, nach zuvor 3,09 Prozent. Die Meldung mit Stichtag 14. Juli 2026 wurde über den EQS-Dienst europaweit verbreitet. Bei einer Gesamtzahl von 982.424.082 Stimmrechten bleibt Amundi damit ein relevanter, aber unter der Meldeschwelle von 3 Prozent liegender Investor.

Operativ richtet sich der Blick nun auf die anstehenden Quartalszahlen. Bayer hatte im ersten Quartal 2026 einen Gewinn je Aktie von 2,81 Euro ausgewiesen, nach 1,32 Euro im Vorjahresquartal, bei einem Umsatz von 13,41 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 2,42 Prozent entspricht. Die Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 werden für den 4. August 2026 erwartet. Investoren dürften dabei genau beobachten, ob sich die juristische Entlastung im Glyphosat-Streit bereits in den operativen Zahlen niederschlägt oder ob der Rückgang bei Umsatz und Agrarpreisen anhält. Die Rücknahme des Zollantrags durch Ruveon dürfte zudem die Beziehungen zu US-Landwirten stabilisieren, die für das Agrargeschäft von Bayer eine zentrale Kundengruppe darstellen.