Bayer hat in wenigen Tagen eine Übernahme abgeschlossen, eine Klage eingereicht und eine neue Handelsuntersuchung kassiert. Trotzdem bewegt sich die Aktie kaum vom Fleck.

Augen auf: Neues Augenheilkunde-Asset

Am 17. Juni hat Bayer die Übernahme von Perfuse Therapeutics abgeschlossen. Der Vorabpreis beträgt 300 Millionen US-Dollar. Insgesamt kann der Deal auf bis zu 2,45 Milliarden Dollar anwachsen — abhängig von Meilensteinen.

Im Mittelpunkt steht PER-001, ein intravitreales Implantat in Phase II. Es soll Glaukom und diabetische Retinopathie behandeln. Bayer baut damit seine ophthalmologische Pipeline gezielt aus.

Klage gegen Johnson & Johnson

Parallel läuft ein Rechtsstreit, den Bayer im Februar gegen Johnson & Johnson eingereicht hat. Der Vorwurf: irreführende Werbung für das Prostatakrebsmittel Erleada. J&J behaupte, das Medikament reduziere das Sterberisiko um 51 Prozent gegenüber Bayers Nubeqa. Bayer hält diese Aussage für wissenschaftlich unhaltbar — sie basiere auf einer fehlerhaften retrospektiven Analyse, nicht auf kontrollierten klinischen Studien.

Im April lehnte ein US-Bundesrichter Bayers Antrag auf eine einstweilige Verfügung ab. Der Rechtsstreit geht weiter.

Neue Fronten im Agrar- und Regulierungsbereich

In der Agrarsparte zeigte Bayer auf der Expoagro 2026 in Argentinien neue Produkte. Dazu gehört das Niedrigwuchs-Mais-System „Preceon“, dessen Marktstart für 2026 geplant ist. Die digitale Plattform „PRO Carbono“ vernetzt rund 3.000 Produzenten für regenerative Landwirtschaft.

Auf regulatorischer Seite hat die US-Handelsbeauftragte am 18. Juni eine Section-301-Untersuchung gegen Deutschlands Arzneimittelpreispolitik eingeleitet. Geprüft wird, ob deutsche Preisregeln den US-Handel diskriminieren. Bayer als größter deutscher Pharmahersteller steht damit indirekt im Fadenkreuz.

Was die Aktie bewegt

Die Bayer-Aktie legte in den vergangenen sieben Tagen um 4,36 Prozent zu und schloss am Freitag bei 37,81 Euro — knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt. Über zwölf Monate beträgt das Plus 43 Prozent, allerdings liegt der Kurs noch rund 24 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von knapp 50 Euro.

Zwei Ereignisse könnten die Richtung vorgeben. Bis Ende Juni erwartet der US Supreme Court sein Urteil zur Glyphosat-Haftung — ein seit Jahren belastendes Thema für Bayer. Am 4. August folgen dann die Quartalszahlen für das zweite Quartal 2026. Beide Termine zusammen dürften zeigen, ob die jüngste Erholung Substanz hat.