Bayer nutzt die Innovation Showcase in Iowa, um seine Crop-Science-Sparte neu zu positionieren. Am heutigen Mittwoch stellte der Konzern mehrere neue Produkte vor, die das Geschäft mit Saatgut und Pflanzenschutz auf Jahre hinaus prägen sollen.

Im Zentrum steht das Mais-Saatgutsystem Preceon, dessen Anbaufläche laut Unternehmensangaben bis 2035 deutlich ausgeweitet werden soll – konkrete Hektarzahlen für Deutschland oder Europa nannte Bayer dabei nicht, in Argentinien sind laut dem Bericht bereits 1000 Säcke im Einsatz.

Neben Preceon präsentierte Bayer das Insektizid Plenexos, das nach eigenen Angaben mit 75 Prozent weniger Wirkstoff auskommt als vergleichbare Produkte, sowie die Sojabohne Vyconic mit fünf Toleranzeigenschaften, die 2027 in den USA und Kanada starten soll.

Das Herbizid Icafolin mit neuem Wirkmechanismus soll bis 2035 ein Umsatzpotenzial von 750 Millionen Euro erschließen. Diese Bandbreite an Neuheiten unterstreicht, wie stark Bayer auf technologische Differenzierung setzt, um im hart umkämpften Agrarmarkt Marktanteile zu verteidigen.

Digitalisierung als zweite Stoßrichtung

Parallel zu den neuen Wirkstoffen und Saatgutlinien treibt Bayer die Digitalisierung der Landwirtschaft voran. Mit MagicTrap 2 stellte das Unternehmen eine verbesserte Version seiner digitalen Schädlingsüberwachung für Raps vor. Die neue Kamera verfügt über Autofokus und Blitz sowie eine verbesserte Antenne, was Landwirten eine präzisere Fernüberwachung erlaubt und laut Bayer helfen soll, Pestizideinsatz gezielter zu steuern.

Diese Entwicklung fügt sich in einen größeren Trend: Nach Angaben von JD Rossouw entwickelt Bayer neue Pflanzensorten inzwischen etwa 15-mal schneller als noch vor 20 Jahren – der Prozess sei von fünf Jahren auf vier Monate verkürzt worden. Der weltweite Markt für Agrargenetik soll nach Schätzungen von Fairfield zwischen 2023 und 2030 jährlich um 6,5 Prozent auf 1,5 Milliarden US-Dollar wachsen.

Bemerkenswert dabei: 97 Prozent der Landwirte weltweit sind Kleinbauern mit weniger als zehn Hektar Fläche, die mehr als die Hälfte der Nahrungsmittel in Niedrig- und Mitteleinkommensländern produzieren. Während in den USA bereits 91 Prozent digitale Werkzeuge nutzen, liegt dieser Anteil weltweit erst bei 65 Prozent – ein Hinweis darauf, wie viel Potenzial Bayer in Schwellenländern noch sieht.

Crop Science als Umsatztreiber

Die Crop-Science-Sparte erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von 21,6 Milliarden Euro und bleibt damit ein zentraler Baustein des Konzerns. Die auf der Messe vorgestellten Innovationen sollen dieses Fundament weiter stärken und Bayer helfen, sich gegenüber Wettbewerbern im nordamerikanischen Kernmarkt zu behaupten.

An der Börse zeigte sich die Aktie am heutigen Mittwoch mit einem moderaten Plus von 0,2 Prozent bei 48,80 Euro stabil. Damit notiert das Papier weiterhin nur knapp über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 48,57 Euro, was auf eine Konsolidierung nach der starken Rally der vergangenen Monate hindeutet.

Zum bisherigen Jahreshoch von 53,86 Euro, erreicht am 3. Juli, fehlen noch rund 9,4 Prozent – ein Abstand, der zeigt, dass trotz der Innovationsoffensive noch Luft nach oben besteht, sollte der Markt die neuen Produktankündigungen honorieren.