Nach einem Kurssprung von über 22 Prozent in sieben Tagen nimmt die Bayer-Aktie am Dienstag eine kurze Verschnaufpause. Der Auslöser für die Rally: ein wegweisendes Urteil des US Supreme Court im Glyphosat-Rechtsstreit — das erste wirklich gute Rechtsnachricht für den Konzern seit Jahren.
Urteil entzieht Tausenden Klagen die Grundlage
Am 25. Juni entschied das höchste US-Gericht mit 7:2 Stimmen zugunsten von Bayer. Kern des Urteils: Bundesstaaten dürfen keine eigenen Krebswarnungen auf Pestiziden vorschreiben, solange die Umweltschutzbehörde EPA keine solche Warnung verlangt. Das trifft direkt den Glyphosat-Streit. Tausende Klagen, die Bayer mangelnde Warnhinweise vorwarfen, verlieren damit ihre rechtliche Grundlage. Die zukünftigen Prozesskosten dürften erheblich sinken.
Goldman Sachs bestätigte daraufhin die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 55 Euro. Die DZ Bank erhöhte ihren fairen Wert auf 54 Euro und bleibt ebenfalls bei „Kaufen“. Jefferies hob das Kursziel von 40 auf 46 Euro an, beließ die Einstufung aber auf „Hold“ — mit Verweis auf die weiterhin hohe Schuldenlast.
Schulden und Cashflow bleiben das Problem
Der juristische Erfolg ändert nichts an der Bilanz. Im ersten Quartal 2026 lag der freie Cashflow bei minus 2,3 Milliarden Euro. Rund 2 Milliarden davon flossen in Vergleichszahlungen für Rechtsstreitigkeiten. Die Nettofinanzverschuldung beträgt 32,5 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr rechnet Bayer mit weiteren Mittelabflüssen von rund 5 Milliarden Euro für laufende Verfahren.
Diese Kapitalbindung lässt wenig Spielraum für Wachstumsinvestitionen — trotz des Rückenwinds aus Washington.
Pipeline soll Lücken schließen
Bayer arbeitet parallel an der Zukunft. Ende Juni gab der Konzern eine Kooperation mit dem US-Biotech-Unternehmen Iambic Therapeutics bekannt. Ziel ist KI-gestützte Wirkstoffforschung, um neue Therapieansätze schneller zu entwickeln.
Konkreter Hoffnungsträger ist der Gerinnungshemmer Asundexian. Die FDA hat den Zulassungsantrag im Mai 2026 angenommen und ein beschleunigtes Prüfverfahren gewährt. Grundlage sind positive Daten der Phase-III-Studie OCEANIC-STROKE. Ein Erfolg wäre wichtig: Das Blockbuster-Medikament Xarelto verliert schrittweise seinen Patentschutz, und Asundexian soll diese Umsatzlücke füllen.
Technisch überhitzt, fundamental im Wandel
Die Aktie notiert aktuell bei 47,16 Euro — rund 24 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 36,77 Euro. Der RSI liegt bei 78,4 und zeigt damit überkauftes Terrain an. Das 52-Wochen-Tief vom August 2025 bei 25,09 Euro liegt inzwischen fast 88 Prozent zurück.
Am 7. August legt Bayer Quartalszahlen vor. Dann wird sich zeigen, ob der freie Cashflow dreht und der Schuldenabbau Fahrt aufnimmt — zwei Kennzahlen, an denen der Markt den echten Fortschritt messen wird.
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