Während Bayer von einem juristischen Erfolg in den USA profitiert, wächst in Europa neuer regulatorischer Druck auf das Kerngeschäft mit Pflanzenschutzmitteln.
Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik forderte am heutigen Dienstag eine konsequente Umsetzung des Integrierten Pflanzenschutzes – ein Ansatz, der den Einsatz chemischer Mittel wie Glyphosat zugunsten alternativer Anbaumethoden zurückdrängen soll.
Details zur konkreten Ausgestaltung blieben zunächst offen, doch die Forderung reiht sich in eine seit Jahren anhaltende Debatte über die Zukunft chemischer Pflanzenschutzmittel in der europäischen Landwirtschaft ein.
Rückenwind aus den USA, Gegenwind aus der Agrarpolitik
Der Vorstoß des Beirats trifft Bayer zu einem Zeitpunkt, an dem der Konzern gerade eine juristische Atempause verbucht hat. Der US-Supreme-Court hatte Ende Juni mit 7:2 Stimmen entschieden, dass Bayer in US-Bundesstaaten nicht mehr wegen unzureichender Warnhinweise auf Roundup-Produkten verklagt werden kann.
Das Gericht kassierte damit ein Urteil über 1,25 Millionen Dollar zugunsten des Klägers John Durnell, der eine Krebserkrankung auf den Wirkstoff Glyphosat zurückgeführt hatte.
Die US-Umweltbehörde EPA war zuvor zu dem Schluss gekommen, dass Glyphosat kein Krebsrisiko darstelle. Bayer hatte im Februar zusätzlich einen Vergleich über 7,25 Milliarden Dollar vorgeschlagen, dessen Anhörung für den 14. September angesetzt ist.
Die deutsche Agrarpolitik zieht in eine andere Richtung: Der Wissenschaftliche Beirat setzt auf eine strukturelle Reduktion chemischer Wirkstoffe – ein Signal, das langfristig das Geschäftsmodell der Crop-Science-Sparte berühren könnte, selbst wenn die USA rechtlich Entlastung bringen.
Operatives Geschäft bleibt Stabilitätsanker
Die Crop-Science-Sparte selbst zeigte sich zuletzt robust: Im zweiten Quartal steigerte sie den Umsatz um 3,5 Prozent auf knapp 4,91 Milliarden Euro, das Segment-Ergebnis kletterte sogar um 30,2 Prozent auf 902 Millionen Euro. Diese operative Stärke dürfte helfen, regulatorische Unsicherheiten in Europa abzufedern, sofern sich politische Vorgaben nicht kurzfristig in verschärfte Zulassungsbedingungen übersetzen.
Kurs bewegt sich seitwärts
An der Börse zeigte die Aktie zuletzt wenig Reaktion auf Einzelmeldungen. Der Titel schloss am Montag bei 47,55 Euro, nach einem Rückgang von 3,3 Prozent auf Wochensicht.
Zum 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro fehlen weiterhin rund 12 Prozent, während der Abstand zum Jahrestief bei 84 Prozent liegt – ein Hinweis darauf, dass die Erholung seit dem Herbsttief intakt bleibt, selbst wenn kurzfristige Nachrichten wie die Beiratsforderung für Verunsicherung sorgen. Anleger dürften nun genau beobachten, wie konkret die politischen Forderungen aus Berlin und Brüssel in den kommenden Monaten Gestalt annehmen.
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