Die USA nehmen die deutsche Arzneimittelpreispolitik ins Visier. Das Büro des US-Handelsbeauftragten hat eine formelle Untersuchung eingeleitet. Im Raum stehen mögliche Strafzölle. Das trifft exportstarke Konzerne wie Bayer direkt.

Washington macht Druck

Amerikanische Verbraucher zahlen für neue Medikamente etwa dreimal so viel wie deutsche Patienten. Die US-Regierung sieht darin eine unfaire Belastung. Nach Abschnitt 301 des US-Handelsgesetzes prüft Washington nun die deutsche Preisgestaltung.

Auslöser ist das geplante Sparpaket der Bundesregierung. Dieses soll ein Finanzloch von rund 20 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung schließen. Die USA werfen Deutschland vor, den Wert innovativer Medikamente nicht angemessen zu vergüten. Die Folge: Pharmaunternehmen müssen ihre Investitionen über den US-Markt refinanzieren.

Die politische Unsicherheit hinterlässt bereits Spuren. Mehrere Konzerne reagieren auf die deutschen Reformpläne mit drastischen Kürzungen:
* Eli Lilly streicht die geplanten Investitionen am Standort Alzey um 50 Prozent.
* Boehringer Ingelheim stoppt vorerst Investitionen in Höhe von 900 Millionen Euro.
* Pfizer prüft aktuell seine laufenden und geplanten Projekte in Deutschland.

Management und Rechtsstreitigkeiten

Abseits der Handelspolitik sortiert Bayer seine internen Reihen. Der Aufsichtsrat verlängert den Vertrag von CEO Bill Anderson bis Ende März 2029. Auch Pharmachef Stefan Oelrich bleibt bis Oktober 2029 an Bord.

Auf juristischer Ebene geht der Konzern gegen Johnson & Johnson vor. Bayer reichte Mitte Juni eine geänderte Klage ein. Das Unternehmen fordert Schadensersatz und eine Unterlassungsverfügung. Der Vorwurf lautet auf irreführende Behauptungen zum Medikament Nubeqa.

Chartbild und Juli-Entscheidung

An der Börse zeigt sich die Aktie robust. Der Kurs schloss am Freitag bei 37,81 Euro. Damit notiert das Papier exakt auf Höhe der 50-Tage-Linie. Auf Jahressicht verbucht Bayer ein Plus von rund 41 Prozent.

Bis zum 52-Wochen-Hoch von knapp 50 Euro fehlt allerdings noch ein Viertel. Die handelspolitischen Risiken deckeln vorerst die Fantasie. Die US-Behörden planen eine Anhörung für den 22. September 2026.

Kurzfristig richten Investoren den Blick auf den Supreme Court. Die Richter entscheiden im Juli über den Fall „Durnell“. Ein positives Urteil für Bayer würde rund 65.000 offene Glyphosat-Klagen hinfällig machen.