Der Oberste Gerichtshof der USA hat Bayer in einer wegweisenden Entscheidung gestützt. Das Urteil könnte die seit Jahren schwelende Glyphosat-Klagewelle eindämmen.

Die Aktie des Pharma- und Agrarchemiekonzerns reagierte am Donnerstag mit einem Kurssprung von 17,33 Prozent auf 13,20 Dollar. Das ist einer der stärksten Tagesgewinne der vergangenen Jahre. In den letzten sieben Tagen summiert sich das Plus auf 25 Prozent.

Gericht kippt Roundup-Urteil

Konkret hob der Supreme Court ein Jury-Urteil von 1,25 Millionen Dollar auf. Ein Kläger aus Missouri hatte seine Krebserkrankung auf das Unkrautvernichtungsmittel Roundup zurückgeführt. Die entscheidende Passage des Richterspruchs: Verbraucher können Bayer nicht wegen fehlender Krebs-Warnhinweise verklagen, wenn Bundesbehörden das Produkt zuvor als ausreichend gekennzeichnet eingestuft haben.

Damit entfällt ein erhebliches Prozessrisiko für Bayer. Die Klagewelle zu Roundup hatte den Konzern seit der Übernahme von Monsanto 2018 belastet. Mehrere Instanzen hatten teils milliardenschwere Urteile gegen Bayer gefällt.

Expansionskurs in der Pharmasparte

Parallel zum juristischen Erfolg treibt Bayer seine strategischen Geschäfte voran. Der Konzern schloss die Übernahme von Perfuse Therapeutics ab. Der Kaufpreis: bis zu 2,45 Milliarden Dollar, davon 300 Millionen Dollar sofort. Perfuse bringt einen Wirkstoff gegen Glaukom und diabetische Retinopathie in die klinische Phase II mit.

Hinzu kommt eine Forschungskooperation mit Iambic Therapeutics. Ziel ist es, mit Künstlicher Intelligenz neue Wirkstoffkandidaten zu identifizieren. Bayer setzt damit auf zwei Hebel: den Ausbau der Augenheilkunde und die Beschleunigung der Arzneimittelforschung durch KI.

Technische Kennzahlen und Ausblick

Der RSI von 80,3 signalisiert aktuell eine Überhitzung. Seit dem 52-Wochen-Tief bei 7,25 Dollar im August 2025 hat sich der Kurs mehr als verdoppelt. Vom Hoch bei 14,66 Dollar aus Februar trennen ihn noch knapp zehn Prozent.

Bayer bestätigte im Mai die Konzernprognose für 2026: Umsätze zwischen 45 und 47 Milliarden Euro, ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 4,30 bis 4,80 Euro. Das Urteil des Supreme Court beseitigt eine zentrale Unsicherheit. Ob sich der Kursanstieg als nachhaltig erweist, hängt nun davon ab, wie die unteren Instanzen auf das höchstrichterliche Signal reagieren.