Liebe Leserinnen und Leser,

ein Jahrzehnt juristischer Belagerung, beendet mit sieben zu zwei Stimmen. Der US Supreme Court hat am Mittwoch im Fall Durnell entschieden, dass das Bundesgesetz FIFRA einzelstaatliche Klagen wegen fehlender Krebswarnungen auf Roundup-Verpackungen verdrängt — sofern die EPA eine eindeutige Sicherheitsbewertung getroffen hat. Die Bayer-Aktie reagierte mit plus 18,7 Prozent, in der Spitze plus 19,0 Prozent auf 47,12 Euro. Viermonatshoch. Und für viele Anleger der Moment, auf den sie seit der Monsanto-Übernahme gewartet haben.

Bayer: Was das Urteil für das Depot bedeutet

Die Roundup-Klagewelle hat Milliarden an Rückstellungen gebunden und die Aktie jahrelang unter ihrem fundamentalen Wert gehalten. Das Urteil entkräftet einen erheblichen Teil der laufenden Verfahren, die sich auf abweichende Warnpflichten einzelner Bundesstaaten stützten. Die Bilanz ist damit nicht über Nacht bereinigt — aber die extremen Risikoszenarien schrumpfen konkret zusammen. Genau das war der fehlende Auslöser für eine Neubewertung.

Charttechnisch liegt die Aktie jetzt an den alten Widerständen zwischen 47 und 50 Euro. Wer am Mittwoch eingestiegen ist, hat einen guten Einstieg erwischt. Wer überlegt nachzukaufen, braucht einen nachhaltigen Ausbruch über die 50-Euro-Marke als Bestätigung. Alles darunter bleibt Konsolidierungsgebiet nach einem Tagessprung dieser Größenordnung.

FedEx: Schuldenabbau statt Gewinnbeschleunigung

FedEx lieferte am Mittwochabend US-Zeit Quartalszahlen, die auf den zweiten Blick spannender sind als auf den ersten. Q4-Umsatz: 25 Milliarden Dollar, plus 12,5 Prozent. Bereinigtes EPS: 6,31 Dollar — 36 Cent über Konsens. Der Spin-off von FedEx Freight am 1. Juni spülte eine Sonderdividende von 4,1 Milliarden Dollar in die Kasse. Dieses Geld fließt jetzt in ein Bar-Tender-Angebot über bis zu 4,15 Milliarden Dollar an ausstehenden Anleihen. Frist für die frühzeitige Andienung: 9. Juli, finales Ende 24. Juli.

Die Aktie schloss mit plus 3,64 Prozent bei 328,35 Dollar — gebremst vom Ausblick. Bereinigtes EPS von 17,50 Dollar für das Kalenderjahr liegt unter Konsens. Truist senkte das Kursziel von 425 auf 365 Dollar, hält aber an der Kaufempfehlung fest. FedEx ist damit ein klassischer Deleveraging-Trade: sinkende Verschuldung, rund fünf Prozent FCF-Rendite und das Network-2.0-Programm, das bis FY2029 über zwei Milliarden Dollar an Kosten herausnehmen soll. Wer operative Margenexpansion sucht, findet hier einen Kandidaten. Wer schnelles Gewinnwachstum braucht, nicht.

TKMS und der Rüstungssektor: Gewinnmitnahmen im Stundentakt

Wer am Mittwoch über die Rüstungsbranche geschrieben hat, kennt die Geschichte von TKMS: plus 16 Prozent nach dem Fregattenauftrag, der ursprünglich Rheinmetall zugeschrieben war. Am Donnerstag dann die Gegenbewegung — minus 7,2 Prozent, in der Spitze sogar minus 9,35 Prozent auf 76,60 Euro. HENSOLDT gab bis zu 6,7 Prozent ab, RENK rund 3,6 Prozent. Rheinmetall verlor nach dem Vortageseinbruch weitere 1,1 Prozent.

Die Lektion ist simpel: Im Rüstungssektor sind die Rücksetzer inzwischen genauso heftig wie die Aufwärtsschübe. Wer auf strukturelles Wachstum durch europäische Verteidigungsbudgets setzt, muss diese Volatilität als Normalzustand akzeptieren — und Positionsgrößen entsprechend klein halten. Für antizyklische Einstiege bieten die aktuellen Niveaus allerdings erstmals seit Wochen wieder Gelegenheiten.

DAX-Einzelwerte: Merck, VW und Adidas mit echten Nachrichten

Drei Bewegungen im DAX verdienen Aufmerksamkeit, weil sie nicht nur Tagesrauschen sind. Merck stieg 3,1 Prozent nach der angekündigten Übernahme von Bio-Techne für zehn Milliarden Euro — die größte M&A-Transaktion des Konzerns seit Jahren, die das Profil weiter Richtung Life-Science-Tools verschiebt. Volkswagen Vorzüge legten 2,6 Prozent zu: Der Verkauf von 51 Prozent an Everllence für 7,4 Milliarden Euro ist ein konkreter Schritt im Portfolioumbau. Adidas gewann 2,8 Prozent, gestützt durch DFB-Trikot-Verkaufsrekorde und Daten von M Science, die zeigen, dass der Bekleidungsumsatz im Mai um 70 Prozent zulegte — Adidas überflügelt Nike im WM-Merchandise-Wachstum.

Auf der Verliererseite bleibt Fresenius Medical Care mit minus 3,4 Prozent unter Druck. Schlechtere Dialysevergütungen in den USA treffen das Geschäftsmodell im Kern. Wer FMC im Depot hat, muss sich mit einer strukturellen Frage auseinandersetzen, nicht mit einem Tagesthema.

Bei Hugo Boss herrscht Stillstand: Frasers Group bleibt bei 38 Euro je Aktie und lehnt eine Aufstockung des Übernahmeangebots ab — bei über 26 Prozent Beteiligung. Die Aktie notiert mit 37,72 Euro praktisch auf Angebotshöhe. Der Markt rechnet weder mit einem Nachschlag noch mit einem Rückzug. Die eigentliche Frage ist, ob der schwache Ausblick — EBIT 300 bis 350 Millionen Euro bei mittlerem bis hohem einstelligem Umsatzrückgang — den Preis von selbst nach unten drückt.

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Für eine ausgewogene Portfolio-Strategie lohnt sich derzeit auch ein Blick abseits der bekannten DAX-Bewegungen — konkret auf den Quanten-Computing-Sektor, der nach Einschätzung vieler Technologie-Analysten die nächste große Infrastrukturwelle nach KI darstellt. Carsten Müller analysiert in seinem Live-Webinar „3 Pfeiler des Quanten-Computing für bis zu 6.100 % Gewinn“ morgen um 11:00 Uhr, welche drei strukturellen Treiber diesen Sektor antreiben und warum ein wachsender Engpass bei der Rechenleistung erhebliche Kapitalströme umlenken könnte. Er zeigt konkret, welche Infrastruktur-Unternehmen aus dem Quanten-Bereich dabei in einer ähnlich günstigen Position sind wie die Schaufel-Lieferanten im Goldrausch — also jene, die unabhängig vom Wettbewerb der Endanwender profitieren. Das Webinar ist kostenlos und findet live statt. Jetzt zum Webinar anmelden

Sechs Handelstage bis zum Halbjahresultimo

Nike legt am 30. Juni Zahlen vor — Konsens bei 0,12 Dollar EPS und 10,85 Milliarden Umsatz, bei einer Aktie, die im letzten Monat 9,1 Prozent verloren hat. Isabel Schnabel machte am Donnerstag klar, dass die EZB trotz der Waffenruhe im Nahen Osten weitere Zinsschritte nicht ausschließt — Inflationsprojektion 3,0 Prozent für 2026.

Das ist der Rahmen, in dem sich die Bayer-Rallye, das FedEx-Deleveraging und die Rüstungsvolatilität orientieren müssen. Sechs Handelstage bis zum Halbjahresultimo. Für Trader heißt das: Die Einzelnachrichten sind stark genug, um klare Setups zu liefern. Aber das Makro-Umfeld bleibt unsicher genug, um jede Position mit einem Plan B zu versehen.

Herzlichst, Ihr Andreas Sommer