Staatsanwaltschaft, BaFin-Rüge, Aktionärsklagen — und eine Sanierung, die auf drei gleichzeitig zu erfüllende Bedingungen angewiesen ist. Beim Münchner Agrarkonzern BayWa häufen sich die Fronten, während die Aktie seit Jahresbeginn rund 22 Prozent verloren hat und gestern bei 13,00 Euro schloss.
Ermittlungen und Klagewelle
Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen die früheren Vorstandschefs Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger wegen des Verdachts auf Untreue und falsche Darstellung im Jahresabschluss 2023 — für beide gilt die Unschuldsvermutung. Im Januar gab es Hausdurchsuchungen. Den Abschluss unterschrieben haben neben Pöllinger auch Finanzvorstand Andreas Helber, der das Unternehmen ebenfalls verlassen hat.
Parallel formiert die Tübinger Kanzlei TILP geschädigte Aktionäre für Schadensersatzklagen. Grundlage ist eine formelle Rüge der BaFin: BayWa verschwieg im Lagebericht 2023 wesentliche Details zu einem Milliardenkredit sowie zu Refinanzierungsrisiken einer Anleihe über 500 Millionen Euro. Als potenziell klageberechtigt gilt, wer zwischen Januar 2022 und Januar 2026 Aktien erworben hat. BayWa hat gegen die BaFin-Feststellungen Widerspruch eingelegt.
Obendrein prüft die Prüferaufsichtsstelle Apas, ob PricewaterhouseCoopers für 2023 zu Recht ein uneingeschränktes Testat erteilt hat — ohne auf existenzgefährdende Risiken hinzuweisen. BayWa prüft eigene Schadensersatzansprüche gegen PwC und schrieb das Prüfungsmandat ab 2026 neu aus. PwC testiert letztmalig das Geschäftsjahr 2025, dessen Abschluss wegen der ausstehenden Neubewertung der Energietochter BayWa r.e. erst im vierten Quartal 2026 erwartet wird.
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Drei Bedingungen, eine Finanzierungslücke
Die juristische Belastung trifft BayWa in einer ohnehin fragilen Lage. Die Finanzierungslücke beläuft sich auf 2,7 Milliarden Euro — entstanden, nachdem gestrichene US-Subventionen die Bewertung der Erneuerbaren-Energien-Projekte einbrechen ließen und der geplante Verkauf der Energiesparte scheiterte.
Bis Herbst 2026 muss der Konzern drei Dinge gleichzeitig liefern: den testierten Jahresabschluss für 2025, die Zustimmung der Kernbanken DZ Bank und UniCredit/HVB zur Verlängerung der Stillhaltevereinbarung — und den abgeschlossenen Verkauf der neuseeländischen Obsthandelstochter T&G Global. Scheitert auch nur ein Element, entfällt die Grundlage für den gesamten Umbau.
Das neue Sanierungskonzept, das bis Mitte 2026 vorliegen soll, ist einschneidend: Gläubiger sollen auf rund eine Milliarde Euro Schulden verzichten, rund 1.300 Stellen abgebaut und der Umsatz bis 2028 auf 10 Milliarden Euro halbiert werden. Die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken schreiben ein Schuldscheindarlehen über 220 Millionen Euro bereits um 60 Prozent ab — ein Totalausfall gilt laut Verbandspräsident Stefan Müller als möglich.
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T&G als letzter großer Aktivposten
Im März 2026 mandatierte BayWa Goldman Sachs für den Verkauf der knapp 74-prozentigen Mehrheitsbeteiligung an T&G Global. Das Unternehmen ist kein Sanierungsfall: 2024 erzielte es einen Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar und kehrte mit einem Nettogewinn von 16 Millionen US-Dollar in die Gewinnzone zurück. Bekannte Apfelmarken wie Envy und Jazz machen T&G für strategische Käufer attraktiv.
Der erwartete Erlös liegt bei rund 300 Millionen Euro. Allerdings bremst die Hongkonger Minderheitsaktionärin Joy Wing Mau Group, die knapp 20 Prozent an T&G hält, den Prozess. Vom Gesamtziel von vier Milliarden Euro bis 2028 hat BayWa bislang erst 1,3 Milliarden Euro gesichert.
Eine Jahresprognose für 2026 gibt es nicht. Das bereinigte EBITDA-Ziel liegt für 2027 bei rund 140 Millionen Euro — ein Wert, der angesichts der laufenden Ermittlungen, offener Klagen und eines Aktienkurses, der seit zwölf Monaten rund 32 Prozent verloren hat, noch weit entfernt wirkt.
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