Ein neuer Großauftrag aus den Niederlanden stärkt das operative Geschäft von Bilfinger. Der Industriedienstleister schloss am Freitag einen langfristigen Vertrag mit OCI Nitrogen über Turnaround Contractor Services am Standort Geleen ab. Die Vereinbarung läuft bis einschließlich 2031 und festigt die Präsenz des Unternehmens in der europäischen Chemie- und Prozessindustrie.

Für den Konzern reiht sich die Meldung in eine Phase reger Auftragseingänge ein, die das Management zur Absicherung künftiger Umsätze nutzen will.

Operative Neuaufträge für Großprojekte

Die Zusammenarbeit mit OCI Nitrogen folgt unmittelbar auf weitere Projektzusagen. Am Mittwoch sicherte sich Bilfinger einen Auftrag des Energiekonzerns EDF für das britische Kernkraftwerksprojekt Hinkley Point C. Dieser Kontrakt umfasst Detailplanung, Beschaffung, Rohrvorfertigung sowie Installationsarbeiten, besitzt eine geplante Laufzeit bis 2030 und bewegt sich nach Unternehmensangaben im erheblichen Millionen-Euro-Bereich.

Darüber hinaus schloss Bilfinger einen Multi-Service-Rahmenvertrag mit Delamine B.V. für den Standort Delfzijl ab. Die Vereinbarung umfasst eine Laufzeit von drei Jahren mit einer Option auf Verlängerung um zwei weitere Jahre. Das Aufgabenfeld beinhaltet Engineering, Installation, Zugangs- und Isolierungsleistungen sowie Maßnahmen zur Anlagenleistung.

Umbauprogramm Agile belastet Jahresziel

Trotz der neuen Kontrakte bleibt die wirtschaftliche Lage herausfordernd. Im September hatte Bilfinger die Prognose für das Gesamtjahr 2026 nach unten korrigiert. Für das Gesamtjahr peilt das Management nun einen Umsatz zwischen 5,3 und 5,7 Milliarden Euro an, nachdem zuvor 5,4 bis 5,9 Milliarden Euro veranschlagt worden waren.

Die bereinigte EBITA-Marge sieht das Unternehmen bei 4,6 bis 5,0 Prozent, unter Einrechnung der Kosten für das Transformationsprogramm Agile bei 3,2 bis 3,6 Prozent.

Mit Agile reagiert der Konzern auf den Kostendruck: Vorgesehen ist ein Nettoabbau von bis zu 1.500 Vollzeitstellen. Bilfinger beziffert die Einmalkosten für die Maßnahmen auf 75 Millionen Euro, erwartet ab 2028 jedoch eine EBITA-Verbesserung im gleichen Volumen von 75 Millionen Euro. Am Aktienmarkt hinterließen die Belastungen Spuren: Am Freitag schloss das Papier bei 55,95 Euro, womit es seit Jahresanfang 48 Prozent an Wert eingebüßt hat.

Analysten blicken auf dritte Quartalsergebnisse

Analysten bezifferten die kurzfristigen Risiken unterschiedlich. Deutsche Bank Research bestätigte am Freitag eine Kaufempfehlung mit dem Votum „Buy“ und einem Kursziel von 100 Euro, wobei Analyst Michael Kuhn mit einem Rückgang des operativen Ergebnisses (EBITA) um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum rechnete. Bernstein Research beließ die Einstufung am Mittwoch auf „Market-Perform“ mit einem Kursziel von 62 Euro.