BioNTech erhält gleich zwei Impulse binnen weniger Tage: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat gestern den an die Variante XFG angepassten Covid-19-Impfstoff Comirnaty XFG von Pfizer und BioNTech für die Saison 2026/27 zugelassen. Zugleich sorgt ein Erfolg der Konkurrenz für Rückenwind bei der Krebspipeline des Mainzer Unternehmens.
Comirnaty XFG erhält grünes Licht
Die FDA genehmigte den aktualisierten mRNA-Impfstoff, der auf die JN.1-Sublinie XFG zielt, für Erwachsene ab 65 Jahren sowie für Personen zwischen 5 und 64 Jahren mit Risikofaktoren. Der Versand soll unmittelbar beginnen.
Pfizer und BioNTech verweisen auf Daten, die eine Immunantwort gegen mehrere zirkulierende Varianten belegen, darunter XFG.1.1, NB.1.8.1, PQ.17 und PQ.2.8.1. Weltweit wurden nach Angaben der Unternehmen bislang über fünf Milliarden Dosen des Impfstoffs ausgeliefert.
Auch Moderna und Novavax-Sanofi erhielten für ihre Präparate eine Zulassung für die kommende Saison, jeweils ebenfalls mit Fokus auf die XFG-Variante.
Das Impfstoffgeschäft bleibt für BioNTech damit ein verlässlicher, wenn auch saisonaler Umsatzträger. Die eigentliche Kursfantasie speist sich derzeit jedoch aus einem anderen Feld.
Moderna-Erfolg lenkt Blick auf eigene Onkologie-Studien
Ein Phase-3-Erfolg von Moderna und Merck mit der mRNA-Krebstherapie intismeran ließ BioNTech-Aktien am Donnerstag zeitweise um 21,6 Prozent nach oben schießen — Anleger werten den Erfolg des Konkurrenzprodukts als Bestätigung für das gesamte mRNA-Krebsimpfstoff-Konzept, von dem auch BioNTechs eigene Pipeline profitieren könnte.
Das Unternehmen führt derzeit 14 pivotale Studien und erwartet für 2026 drei Datenauslesungen im späten Entwicklungsstadium, darunter eine Zwischenanalyse zum Kandidaten BNT113.
Die Geschäftszahlen zeigen, wie stark BioNTech noch in Vorleistung investiert: Im zweiten Quartal 2026 stand einem Umsatz von 105,6 Millionen Euro ein IFRS-Nettoverlust von 820,8 Millionen Euro gegenüber, nach einem Verlust von 386,6 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Der Forschungs- und Entwicklungsaufwand kletterte auf 551,0 Millionen Euro. Finanziell verschafft die Barreserve von 16,6 Milliarden Euro zum Ende Juni dem Unternehmen jedoch erheblichen Spielraum, die kostenintensive Onkologie-Pipeline weiter voranzutreiben, ohne kurzfristig auf frisches Kapital angewiesen zu sein.
Kurs spiegelt zunehmenden Optimismus
Der Aktienkurs honoriert diese Gemengelage aus regulatorischem Rückenwind und Pipeline-Fantasie: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 17 Prozent zu Buche, binnen 30 Tagen legte das Papier sogar um 18 Prozent zu.
Zum Donnerstagsschluss von 95,55 Euro trennen die Aktie noch knapp zehn Prozent vom 52-Wochen-Hoch bei 105,80 Euro, das erst im Januar markiert wurde. Gegenüber dem 52-Wochen-Tief von 68,35 Euro, das im März erreicht wurde, liegt der Kurs bereits 40 Prozent höher — ein Zeichen dafür, wie stark sich die Stimmung rund um den Titel seit dem Frühjahr gedreht hat.
Institutionelle Investoren zeigten sich zuletzt ebenfalls interessiert: Zum Ende des ersten Quartals 2026 hielten 29 Hedgefonds Positionen in BioNTech-Aktien. Ob sich der jüngste Kursschub als nachhaltig erweist, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob die für 2026 angekündigten Studienauslesungen die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen.
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