Zwei Wochen vor dem wichtigsten Datentermin des Jahres hat BioNTech sein Aufsichtsgremium neu aufgestellt — und damit ein klares Signal gesetzt, wohin die Reise geht: weg vom Corona-Impfstoff, hin zur Onkologie.

Hauptversammlung mit breiter Zustimmung

Auf der virtuellen Hauptversammlung am 15. Mai 2026 waren 92 Prozent des Grundkapitals vertreten. Alle Tagesordnungspunkte wurden mit Mehrheit angenommen. Das strukturell bedeutsamste Ergebnis: Der Aufsichtsrat wächst von sechs auf acht Mitglieder. Helmut Jeggle bleibt Vorsitzender, neu hinzu kommen Prof. Iris Löw-Friedrich und Susanne Schaffert — beide mit ausgewiesener Expertise in klinischer Entwicklung und Onkologie.

Die Erweiterung ist kein Zufall. BioNTech befindet sich mitten in einem Führungswechsel: Mitgründer Ugur Sahin und Özlem Türeci wechseln bis Ende 2026 in ihr neues unabhängiges Unternehmen. Der Aufsichtsrat hat eine Nachfolgesuche eingeleitet. Das neu zusammengesetzte Gremium dürfte diesen Übergang maßgeblich begleiten.

ASCO als erster Praxistest

Ab dem 29. Mai trifft BioNTechs Onkologie-Ambitionen auf öffentliche Überprüfung. Beim Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology werden Phase-2-Daten aus der ROSETTA-Lung-02-Studie erwartet — für Pumitamig, das Leitprogramm in Zusammenarbeit mit Bristol Myers Squibb. Fünf neue pivotale Studien für Pumitamig laufen bereits, unter anderem in triple-negativem Brustkrebs, kolorektalem Karzinom und zwei NSCLC-Indikationen. Erste Phase-III-Zwischendaten sollen noch 2026 folgen.

Parallel rückt ein weiteres Programm näher an die Zulassung. Trastuzumab Pamirtecan, ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat gegen HER2-exprimierenden Endometriumkrebs, trägt sowohl Fast-Track- als auch Breakthrough-Therapy-Designation der FDA. In einer Phase-2-Studie erreichte das Mittel eine bestätigte objektive Ansprechrate von 47,9 Prozent bei zentral getesteten Patientinnen. Eine Biologics-License-Application in den USA ist für 2026 geplant, vorbehaltlich des regulatorischen Feedbacks.

Finanzen: Kapital vorhanden, Verluste wachsen

Im ersten Quartal 2026 erzielte BioNTech Umsätze von 118,1 Millionen Euro bei einem Nettoverlust von 531,9 Millionen Euro. Die Liquiditätsreserven belaufen sich auf rund 16,8 Milliarden Euro — genug Puffer, um die laufende Pipeline zu finanzieren. Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr liegt bei 2,3 bis 2,6 Milliarden US-Dollar. Ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu einer Milliarde US-Dollar über zwölf Monate wurde kurz nach den Q1-Zahlen genehmigt.

Die Aktie schloss am Freitag bei 76,95 Euro, rund elf Prozent unterhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts. Seit Jahresbeginn hat das Papier knapp sieben Prozent verloren.

Nächster fester Termin im Kalender ist die Quartalspräsentation am 4. August 2026. Bis dahin dürften die ASCO-Daten Ende Mai die Stimmung maßgeblich prägen — positiv oder nicht.