BioNTech gibt sich nach dem Abschied von Ugur Sahin und Özlem Türeci eine neue Richtung — und die ersten strategischen Entscheidungen stehen fest.
mRNA bleibt Kernstrategie
Das Mainzer Unternehmen hält an der Technologie fest, die seinen Aufstieg begründete. Das Krebsforschungsprojekt iNEST wird weiter vorangetrieben und bleibt fester Bestandteil der künftigen Pipeline. Die Gründer selbst nehmen bei ihrem Weggang einen erheblichen Teil der frühen Forschung mit: CAR-T-Zelltherapien und das RiboMAB-Programm — eine Klasse mRNA-kodierter Antikörper zur Tumoreliminierung — gehen in die neue Firma von Sahin und Türeci über. Rund 300 Beschäftigte sollen direkt wechseln, wobei die genaue Zahl noch vom Verhandlungsstand abhängt.
Die Frage nach dem Wert der zu übertragenden Patente ist noch offen. Das wird Investoren in den nächsten Wochen beschäftigen — die Bewertung dieser Vermögenswerte kann die Bilanz spürbar beeinflussen.
Neue Struktur, neues Portfolio
Neben der Ausgliederung an die Gründer plant BioNTech weitere Umstrukturierungen. Das Portfolio der frühen Wirkstoffkandidaten gegen entzündliche Erkrankungen aus der übernommenen chinesischen Biotech-Firma Biotheus soll verkauft werden. Das Unternehmen soll bereits mit Life-Science-Wagniskapitalgebern in Gesprächen sein.
Damit zeichnet sich ein klares Muster ab: BioNTech konzentriert sich auf ausgereifte mRNA-basierte Onkologie-Programme und gibt frühe, noch kapitalhungrige Forschungsfelder ab. Für ein Unternehmen, das in den nächsten Jahren beweisen muss, dass es auch ohne seine Gründer liefern kann, ist das eine nachvollziehbare Prioritätensetzung.
Kapital bleibt knappes Gut
Der Rahmen, in dem BioNTech agiert, ist dabei alles andere als komfortabel. Das Wagniskapital für deutsche Biotech-Firmen insgesamt brach 2025 um ein Drittel auf 601 Millionen Euro ein. Der Branchenumsatz sank auf zwölf Milliarden Euro, und auch die Forschungsausgaben gingen zurück.
BioNTech selbst ist an der Nasdaq gelistet und damit von der speziell deutschen Kapitalklemme weniger direkt betroffen als kleinere Konkurrenten. Allerdings zeigt die Branchenlage, wie eng das Umfeld für alle Akteure geworden ist. Die ausstehende Patentbewertung im Zuge des Gründerabgangs wird zum ersten echten Test dafür, wie das neue Management-Team unter diesen Bedingungen mit komplexen Transaktionen umgeht.
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