BioNTech steht vor einer Zäsur. Bis zum 30. Juni muss der Konzern bindende Verträge für seine mRNA-Plattform unterzeichnen. Die Gründer planen den Aufbau einer neuen, unabhängigen Gesellschaft. Der einstige Impfstoff-Pionier wandelt sich radikal zum Onkologie-Spezialisten.

Der geplante Umbau hat weitreichende Folgen. BioNTech lagert bestimmte mRNA-Rechte und Technologien in das neue Unternehmen der Gründer aus. Im Gegenzug erhält der Konzern eine Minderheitsbeteiligung. Spätere Meilensteinzahlungen und Lizenzgebühren fließen ebenfalls zurück. Parallel dazu strafft das Management die Produktion. Eine Konsolidierung der Standorte soll Kosten senken und Kapital für die Krebsforschung freisetzen.

Offensive in der Onkologie

Das Ziel: die klinische Entwicklung massiv beschleunigen. Bis Ende 2026 will BioNTech 15 Phase-3-Studien am Laufen haben. Ein zentraler Hoffnungsträger ist Pumitamig. Nach positiven Wirksamkeitsdaten bei Lungenkrebs treibt das Unternehmen den Kandidaten in mehrere zulassungsrelevante Studien. Das breitere Portfolio umfasst mittlerweile auch Antikörper-Wirkstoff-Konjugate und mRNA-basierte Immuntherapien.

Milliarden für den Aktienkurs

Um den Aktienkurs während dieser Übergangsphase zu stützen, greift BioNTech in die Kasse. Kürzlich startete ein neues Rückkaufprogramm für amerikanische Hinterlegungsscheine. Bis Mai 2027 fließen dafür bis zu eine Milliarde US-Dollar.

Die Finanzierung dieser Maßnahmen ist gesichert. Ende des ersten Quartals hortete der Konzern liquide Mittel von 16,8 Milliarden Euro. Dieser Puffer federt auch den jüngsten Quartalsverlust von rund 532 Millionen Euro ab. Der Fehlbetrag resultiert aus der saisonal schwachen Nachfrage nach Corona-Impfstoffen.

An der Jahresprognose hält das Management fest. Der Umsatz soll im laufenden Jahr zwischen 2,0 und 2,3 Milliarden Euro erreichen. Analysten erwarten den Großteil dieser Erlöse im Schlussquartal. Die Aktie testet derweil an der Marke von 79,50 Euro wichtige charttechnische Unterstützungen. Die prall gefüllte Kasse und die laufenden Aktienkäufe bilden ein massives finanzielles Fundament für die Neuausrichtung.