Zwei Meldungen zeigen, wie weit Bitcoin inzwischen in die klassische Finanzwelt hineinreicht. Ein Lebensversicherer, der komplett in Bitcoin rechnet, sammelt frisches Kapital ein. In Frankreich dagegen erwägen Abgeordnete neue Steuern auf Krypto-Bestände.

Lebensversicherung in Bitcoin

Das auf Bermuda ansässige Unternehmen Meanwhile hat 37,5 Millionen Dollar eingesammelt. Angeführt wurde die Runde von Bain Capital Crypto, dabei waren unter anderem Haun Ventures, Pantera Capital, Apollo und Northwestern Mutual Future Ventures. Insgesamt sind bei dem von OpenAI-Chef Sam Altman unterstützten Unternehmen mehr als 180 Millionen Dollar zusammengekommen.

Bilanz, Reserven und geprüfte Abschlüsse laufen komplett in Bitcoin. Die Lizenz dafür erhielt Meanwhile im Juli 2024 von der Bermuda Monetary Authority. Das Unternehmen spricht von einem Rekordjahr, getrieben von internationaler Nachfrage.

Im Mittelpunkt steht die Police BTC Life 1-Pay. Kunden zahlen einmal in Bitcoin und erhalten eine lebenslange Todesfallleistung ebenfalls in Bitcoin. Nach dem ersten Jahr lässt sich bis zu 90 Prozent des Policenwerts beleihen, ohne Tilgungsplan und ohne Margin Calls.

Meanwhile hat nach eigenen Angaben seit dem Start 15 Vermittler unter Vertrag genommen, etwa in Singapur, Hongkong, den Emiraten und der Schweiz. Das langfristige Underwriting-Ergebnis übertrifft demnach schon das Gesamtjahr 2025. Zuvor hatte Delaware Life gemeinsam mit BlackRock eine Rentenversicherung mit Bitcoin-Bezug aufgelegt.

Frankreich prüft Krypto-Steuern

Der Finanzausschuss der Nationalversammlung stimmte in dieser Woche für zwei Änderungsanträge. Der erste würde den Tausch von Bitcoin in Stablecoins wie Euro- oder Dollar-Token steuerpflichtig machen. Bislang fällt dabei keine Steuer an, weil der Staat erst beim Verkauf gegen reguläres Geld zugreift. Ab 1. Januar 2027 würde ein solcher Tausch als Veräußerung gelten, es griffe die Flat Tax von derzeit 31,4 Prozent.

Der zweite Antrag führt eine Wegzugsteuer auf Krypto ein. Sie träfe Haushalte mit Beständen von mehr als 800.000 Euro, die zuletzt mindestens sechs von zehn Jahren in Frankreich steuerpflichtig waren. Hinzu kommt ein angenommener Antrag, der Krypto-Verluste zehn Jahre vortragsfähig machen würde.

Praktisch bleibt das vorerst folgenlos. Der Ausschuss lehnte am Freitag den gesamten Einnahmenteil des Haushalts mit 31 zu 3 Stimmen ab. Die Plenardebatte startet daher mit dem ursprünglichen Regierungstext, ohne die Krypto-Anträge.

Deren Befürworter müssten sie neu einbringen. Die Debatte beginnt am 13. Oktober, die Abstimmung ist für den 20. Oktober angesetzt. Überstehen die Maßnahmen das Verfahren, gelten sie ab dem 1. Januar 2027.