BMW ordnet seine Führungsspitze neu. Dorothea von Boxberg wird zum 1. September Vorstandsmitglied und Personalchefin des Münchner Autobauers, wie das Unternehmen mitteilte. Sie folgt auf Ilka Horstmeier und bringt einen ungewöhnlichen Werdegang mit: Aktuell führt die 52-Jährige als CEO die Fluggesellschaft Brussels Airlines, zuvor hatte sie mehrere Leitungsfunktionen bei der Deutschen Lufthansa AG und der Lufthansa Cargo AG inne, darunter den Vorstandsvorsitz und den Finanzvorstand bei Lufthansa Cargo.
Der Wechsel an der Vorstandsspitze fällt in eine Phase, in der BMW operativ unter Druck steht. Der Autobauer hatte im Juni seine Prognose für das laufende Jahr deutlich gesenkt: Statt der ursprünglich angepeilten EBIT-Marge von 4 bis 6 Prozent im Automobilsegment rechnet der Vorstand nun mit nur noch 1 bis 3 Prozent.
Auch die Kapitalrendite im Autogeschäft wurde von 6 bis 10 Prozent auf 1 bis 5 Prozent zurückgenommen, der Konzerngewinn vor Steuern soll deutlich sinken.
Belastungsfaktoren aus mehreren Richtungen
Als Ursachen nannte BMW die Schwäche auf dem größten Einzelmarkt China, gestiegene Energiekosten im Zuge des Iran-Kriegs sowie allgemeine Konsumungewissheit. Als Reaktion kündigte der Konzern intensivierte Struktur- und Effizienzmaßnahmen an, verbunden mit einmaligen Belastungen in der zweiten Jahreshälfte. Vor rund einem Monat wurde zudem ein Stellenabbau angekündigt – seither hat sich die Aktie um 4,8 Prozent erholt.
Die Personalie von Boxberg fällt damit in eine Phase des Umbruchs, in der BMW gleichzeitig an mehreren Fronten gegensteuert. Auf der Vertriebsseite wird die geplante Umstellung auf ein Agenturmodell in Deutschland weiter verschoben – laut einer Mitteilung an die Händler Anfang August ist sie nun frühestens zum 1. Juli 2028 vorgesehen. Medienberichten zufolge sorgt diese wiederholte Verzögerung für Unmut im Handel, der sich auf die neue Struktur einzustellen versucht.
Elektromobilität als Lichtblick
Während die Ertragslage angespannt bleibt, meldet BMW Fortschritte bei der Elektrifizierung. Im August übergab der Konzern das zwei-millionste vollelektrische Fahrzeug seit dem Verkaufsstart des ersten i3 Ende 2013 an Kunden – insgesamt kommt BMW inklusive Plug-in-Hybriden auf rund 3,5 Millionen elektrifizierte Fahrzeuge.
Im zweiten Quartal stieg der BEV-Absatz in Europa dank zunehmender Verfügbarkeit des iX3 um 38 Prozent auf 81.445 Einheiten. Im ersten Halbjahr war laut Unternehmensangaben mehr als jedes vierte verkaufte Fahrzeug elektrifiziert, in Europa lag der BEV-Anteil bei 28 Prozent.
Ab 2027 will BMW zudem im mexikanischen Werk San Luis Potosà Elektrofahrzeuge auf Basis der neuen Fahrzeugplattform produzieren, konkret die Modelle iX3 und i3. Parallel dazu läuft das Aktienrückkaufprogramm für den Zeitraum 2025 bis 2027 weiter: In der Woche vom 17. bis 23. August kaufte BMW gut 608.000 eigene Aktien über die Börse Xetra zu einem Durchschnittskurs von etwa 58 Euro zurück.
Am Aktienmarkt notiert das Papier aktuell bei 62,30 Euro und damit knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt, was auf eine leichte technische Stabilisierung nach den schwachen Monaten hindeutet.
Für Anleger bleibt die Gemengelage gemischt: Die Gewinnwarnung vom Juni wirkt strukturell nach, während der Führungswechsel im Personalressort und die Fortschritte bei der Elektromobilität zumindest Signale für die mittelfristige Ausrichtung des Konzerns setzen.
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