Dorothea von Boxberg, bislang bei der Lufthansa-Gruppe und zuletzt an der Spitze von Brussels Airlines, wird neue Personalvorständin des Münchner Autobauers und ersetzt Ilka Horstmeier. Die Ablösung fällt in eine Phase, in der Vorstand und Betriebsrat über den Abbau von bis zu 7.500 Stellen verhandeln.
Neue Führung, altbekannte Baustellen
Der Wechsel an der Personalspitze kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Vorstandschef Milan Nedeljković ist erst seit acht Wochen im Amt und muss nun mit der neuen CHRO die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über den Stellenabbau fortführen. Ein konkreter Plan wird bis Ende Juli 2026 erwartet. Bei der Lufthansa-Gruppe wiederum ist die Nachfolge für von Boxberg bereits geregelt: Lorenza Maggio, zuvor Chief Strategy & Integration Officer bei ITA Airways und zuständig für den Vertrieb der Lufthansa Group in der Region EMEA, übernimmt ab dem 31. August 2026 die Führung von Brussels Airlines.
Der Personalumbau bei BMW reiht sich in eine Serie von Einschnitten in der deutschen Autoindustrie ein. Auch Volkswagen verhandelt parallel über einen Abbau von bis zu 50.000 Stellen und mögliche Werksschließungen, während die US-Gewerkschaft UAW nach ihrem Erfolg bei VW in Chattanooga nun gezielt Werke von Mercedes und Scout Motors im Süden der USA ins Visier nimmt. Für BMW bedeutet das: Der Kostendruck in der Branche bleibt hoch, während zugleich in neue Antriebstechnik investiert werden muss.
Zwischen Verbrenner-Zukunft und E-Fuel-Test
Während im Konzern über Stellenabbau verhandelt wird, treibt BMW technisch weiter an mehreren Fronten voran. Zusammen mit Toyota startet der Hersteller in Spanien einen sechsmonatigen Pilotversuch mit rund 20 Fahrzeugen, die mit dem zu 100 Prozent erneuerbaren Kraftstoff Nexa 95 von Repsol fahren. Bosch liefert dafür einen sogenannten Digital Fuel Twin. Hintergrund ist die EU-Vorgabe, ab 2035 den CO2-Ausstoß von Neuwagen um 90 Prozent zu senken – den verbleibenden Anteil sollen E-Fuels und Biokraftstoffe abdecken.
Parallel dazu arbeitet BMW an der nächsten Generation des M3, die für 2028 erwartet wird. Der Sportwagen soll mit einem Mild-Hybrid-System und einem Doppelturbo-Reihensechszylinder mit 473 bis 523 PS kommen, ein Handschaltgetriebe ist im Gespräch. Optisch orientiert sich das Modell am Design der „Neuen Klasse“ und verzichtet auf den traditionellen Kühlergrill. Erste Erlkönige wurden bereits auf der Nordschleife gesichtet.
Aktie nahe Jahrestief
An der Börse spiegelt sich der Umbaudruck deutlich im Kursverlauf. Die BMW-Aktie schloss am Freitag bei 58,40 Euro, ein Minus von 0,75 Prozent auf Tagesbasis. Seit Jahresbeginn steht damit ein Verlust von 37,41 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Tief bei 56,72 Euro, das erst am 15. Juli 2026 markiert wurde, ist der Titel nur noch rund 2,96 Prozent entfernt. Die Marktkapitalisierung liegt bei 34,80 Milliarden Euro.
Für Anleger bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Ein neu formierter Vorstand muss den größten Stellenabbau in der jüngeren Unternehmensgeschichte verhandeln, während BMW zugleich in alternative Kraftstoffe und neue Sportwagenmodelle investiert. Ob der Kurswechsel an der Personalspitze die Verhandlungen mit dem Betriebsrat beschleunigt, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen, wenn der angekündigte Plan konkret wird.
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