BMW startet im Stammwerk München die Serienproduktion des neuen i3 – und der Kurs fällt trotzdem. Am Donnerstag verliert die Aktie 1,44 Prozent auf 58,82 Euro. Operativer Erfolg auf der einen Seite, anhaltender Kursverfall auf der anderen: Der Widerspruch ist auffällig.

Startschuss für die „Neue Klasse“

Der neue i3 läuft heute offiziell vom Band. Er ist der erste in Deutschland gefertigte Vertreter der „Neuen Klasse“, BMWs neuer Elektro-Plattform. Fünf Jahre Umbau und rund 650 Millionen Euro Investition stecken in diesem Moment. Der Konzern hat dafür ein Drittel des Münchner Werksgeländes umgestaltet.

Ab 2027 will BMW in München nur noch vollelektrische Fahrzeuge bauen. Der i3 ist seit Mitte Juni bestellbar. Vertriebsvorstand Jochen Goller spricht von einer „steilen Anlaufkurve“ bei der Nachfrage. Die Bewertung der Aktie hängt nun daran, ob sich diese Nachfrage in echte Stückzahlen übersetzen lässt.

Die entscheidende Frage: Kosten gegen Marge

Werksleiter Peter Weber nennt eine Zahl: Die Fertigungskosten sollen um rund 10 Prozent sinken. Genau das wird zur Kernfrage für Anleger. Reicht diese Einsparung, um die Elektro-Margen auf Verbrenner-Niveau zu heben?

Die Aktie notiert bei 58,82 Euro nur 4,29 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 56,40 Euro. Der Markt preist bislang wenig Vertrauen in einen schnellen Margensprung ein. Gelingt BMW die Übersetzung von Nachfrage in profitables Volumen, könnte sich das ändern.

Bullisches Szenario: Reichweite und Automatisierung

Für Optimisten zählt zuerst die Technik. Das Topmodell i3 50 xDrive schafft laut WLTP bis zu 912 Kilometer Reichweite. Beim Laden reicht ein kurzer Stopp: In zehn Minuten kommen rund 400 Kilometer Reichweite hinzu. Das ist ein Wettbewerbsvorteil, der bei Kunden ziehen könnte.

Parallel dazu testet BMW im Werk Leipzig humanoide Roboter von Hexagon Robotics. Das Ziel: die Produktion langfristig weiter automatisieren und Kosten senken. Treffen die versprochenen 10 Prozent Kostenersparnis beim i3 auf Fortschritte bei der Automatisierung, entsteht ein möglicher Boden für die Aktie. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt liegt aktuell bei 25,66 Prozent und zeigt einen klaren Abwärtstrend. Bei positiven Nachrichten ließe er aber auch Raum für eine technische Gegenbewegung.

Bärisches Szenario: Chinesische Konkurrenz und Stellenabbau

Die Risikoseite wiegt schwer. Auf Zwölfmonatssicht steht die Aktie mit 30,59 Prozent im Minus. Deutsche Autokonzerne halten laut aktuellen Branchendaten einen stagnierenden Marktanteil von rund 60,6 Prozent am Gesamtzulassungsmarkt.

Chinesische Hersteller haben ihren Anteil dagegen zuletzt auf 7,1 Prozent gesteigert. Aggressive Preisstrategien aus China könnten die Kostenvorteile der „Neuen Klasse“ schnell wieder auffressen. Zum Produktionsstart passt zudem eine unbequeme Zahl: Konzernweit steht ein Stellenabbau von rund 8.000 Positionen im Raum. Der Umbau kostet also nicht nur Geld, sondern auch Arbeitsplätze.

Solange die Aktie unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 62,02 Euro verbleibt, bleibt die Skepsis des Marktes sichtbar. Auch der RSI von 43,7 signalisiert keine überverkaufte Lage, die eine schnelle Erholung erzwingen würde.

Ausblick: Die Marge muss den Beweis liefern

Kurzfristig dürfte die Aktie um die Marke von 58,82 Euro schwanken. Ein nachhaltiges positives Signal entstünde erst, wenn der Kurs den 50-Tage-Durchschnitt von 62,02 Euro zurückerobert. Solange das 52-Wochen-Tief bei 56,40 Euro als Unterstützung getestet wird, bleibt das Abwärtsrisiko bestehen.

Der nächste konkrete Prüfstein sind die ersten Auslieferungszahlen der „Neuen Klasse“ im weiteren Verlauf des Jahres 2026. Entscheidend wird, ob die angepeilte Kostenreduktion von 10 Prozent tatsächlich in den Kennzahlen ankommt. Zeigt BMW im vierten Quartal 2026 einen stabileren Cashflow trotz hoher Investitionen, spricht das für eine fundamentale Neubewertung. Fällt die Nachfrage nach dem i3 dagegen unter das Niveau der „steilen Anlaufkurve“, dürfte die Skepsis gegenüber der deutschen Autoindustrie die Aktie weiter belasten.