BMW plant bis zum Produktionsstart im Sommer 2029 Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro in das Werk Steyr. Dort soll eine Fertigung für Leistungselektronik und Inverter-Komponenten entstehen. Für Anleger steht damit der Ausbau der eigenen Elektroantriebsfertigung im Mittelpunkt – während das bestehende Motorengeschäft am Standort weiterläuft.

Neue Aufgaben für das Werk

Steyr soll künftig die vorgelagerte Lieferkette und die Montage des Leistungsmoduls für Gen6-Elektromotoren übernehmen. Vorgesehen sind eine neue Montagelinie in einem Sauberraum sowie die erforderliche Infrastruktur. Die Investition betrifft damit Komponenten des elektrischen Antriebs und nicht die Endmontage kompletter Fahrzeuge.

Der Ausbau ergänzt die bisherigen Aufgaben des Werks. BMW zufolge produziert der Standort weiterhin jährlich mehr als 1 Million Benzin- und Dieselmotoren. In Steyr arbeiten 4.700 Beschäftigte.

Damit setzt BMW am Standort auf das Nebeneinander von Verbrenner- und Elektroantrieb. Die geplante Fertigung erweitert dessen Aufgabenprofil, ohne dass BMW mit der Ankündigung einen Rückzug aus der bestehenden Motorenproduktion verbindet. Der lange Vorlauf unterstreicht zugleich: Das Projekt ist eine industrielle Weichenstellung und kein kurzfristiger Ergebnistreiber.

Elektrogeschäft mit regionalen Unterschieden

Die Absatzdaten des dritten Quartals 2026 zeigen, in welchem Umfeld BMW seine Elektrokompetenz ausbaut. Weltweit stiegen die vollelektrischen Auslieferungen um 7,2 Prozent auf 110.257 Fahrzeuge.

Das Wachstum verlief regional sehr unterschiedlich. Europa gab dem Elektrogeschäft einen deutlichen Schub. Gleichzeitig belastete das schwache China-Geschäft die gesamten Pkw-Auslieferungen. Der Ausbau in Steyr steht somit neben einer Absatzentwicklung, die noch kein einheitliches Wachstumsbild liefert.

In Europa legten die vollelektrischen Auslieferungen um 37,5 Prozent auf 81.941 Fahrzeuge zu. Ihr Anteil an den dortigen BMW-Group-Auslieferungen erreichte 34,7 Prozent.

BMW-Vertriebsvorstand Jochen Goller verwies auf anhaltend starke Bestellungen vollelektrischer Fahrzeuge. Das liefert einen Nachfragekontext für den Kapazitätsaufbau. Eine Aussage zur späteren Auslastung der geplanten Fertigung in Steyr ist damit allerdings nicht verbunden.

Investitionsperspektive und Ertragserwartung

Für die Bewertung der Aktie bleibt neben der industriellen Ausrichtung die operative Ertragskraft wichtig. JPMorgan bestätigte gestern die Einstufung „Overweight“. Analyst Jose M. Asumendi erwartet vor allem Unterstützung durch ein starkes Automobilgeschäft.

Für die anstehenden Quartalszahlen prognostiziert Asumendi einen Umsatz von 29,7 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von rund 1,68 Milliarden Euro. Das Kursziel beträgt weiterhin 82 Euro.

Die Steyr-Investition und diese Ergebniserwartungen betreffen unterschiedliche Zeithorizonte. Das Werk soll zusätzliche Aufgaben für künftige Elektroantriebe erhalten. Kurzfristig richtet sich der Blick dagegen darauf, wie tragfähig das Automobilgeschäft trotz der regional auseinanderlaufenden Nachfrage bleibt.