Knapp ein Jahr nach dem tödlichen Air-India-Absturz vom Juni 2025 bleibt die vollständige Aufklärung weiter offen. Indische Behörden bereiten zwar einen Bericht vor — allerdings keinen abschließenden, sondern einen Interimsbericht.
Interim statt Abschluss
Indiens Aircraft Accident Investigation Bureau (AAIB) wird zum Jahrestag des Unglücks keinen Endbericht vorlegen. Die Untersuchung des Boeing-787-Absturzes, bei dem 260 Menschen ums Leben kamen, sei „sehr komplex und brauche mehr Zeit“, heißt es aus dem Umfeld der Ermittlungen. Der geplante Interimsbericht soll ausführlicher ausfallen als das im Juli 2025 veröffentlichte vorläufige Dokument und mögliche Hauptursachen sowie Begleitfaktoren beleuchten.
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Relevant ist dabei ein formaler Unterschied: Bei einem Interimsbericht ist Indien nicht verpflichtet, die Erkenntnisse vorab mit dem US-amerikanischen National Transportation Safety Board (NTSB) zu teilen. Ein finaler Bericht hingegen würde dem NTSB ein Kommentarrecht einräumen. Genau dieses Verfahren führte nach dem 737-MAX-Absturz in Äthiopien 2019 zu einem langwierigen Prozess — der Endbericht erschien dort erst im Dezember 2022.
Kraftstoffschalter unter erneuter Prüfung
Parallel zur Absturzuntersuchung rückt ein separater Vorfall ins Blickfeld. Piloten eines Air-India-Dreamliners berichteten im Februar 2026, dass die Kraftstoffschalter beim Triebwerksstart nicht zuverlässig in der „Run“-Position blieben. Indiens Luftfahrtbehörde DGCA plant nun für Juni eine Reise nach Seattle, um bei Boeing Tests dieser Schalter zu beobachten.
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Dass ausgerechnet diese Schalter erneut auffällig werden, ist brisant: Die Kraftstoffschalter gelten als zentrales Element der Absturzuntersuchung von 2025. Das vorläufige Untersuchungsdokument hatte festgehalten, dass die Schalter kurz nach dem Start fast gleichzeitig umgelegt wurden und den Triebwerken den Treibstoff abstellten. Boeing unterstützt nach eigenen Angaben Air India in diesem Vorgang; britische Behörden prüfen den Februar-Vorfall ebenfalls noch.
Für Boeing bedeutet der fortlaufende Ermittlungsprozess anhaltende Aufmerksamkeit auf einem seiner modernsten Flugzeugmuster. Wann der finale AAIB-Bericht erscheint, ist derzeit offen — nach internationalen Regeln der Zivilluftfahrtbehörde ICAO ist jährlich zumindest ein Zwischenbericht fällig, bis die Untersuchung abgeschlossen ist.
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