Drei Fluggesellschaften, ein Ort, ein Tag: Auf der Luftfahrtmesse in Farnborough hagelt es für Boeing neue Bestellungen. Philippine Airlines, Riyadh Air und der Flugzeugfinanzierer SMBC Aviation Capital haben binnen weniger Stunden Order-Pakete für insgesamt weit über 100 Maschinen bekanntgegeben. Für den Hersteller ist das mehr als nur ein PR-Erfolg — es ist ein Signal, dass das Vertrauen der Airlines zurückkehrt.

Philippine Airlines steigt groß bei der 787 ein

Die philippinische Flagcarrier-Gesellschaft hat sich zu bis zu 20 Dreamlinern verpflichtet, davon 15 fest in der Langversion 787-10 plus Option auf fünf weitere. Es ist die größte Großraumjet-Bestellung in der Firmengeschichte von Philippine Airlines und fällt in ein besonderes Jahr: Die Partnerschaft zwischen Airline und Boeing besteht seit 80 Jahren. Die neuen Maschinen sollen die bestehende 777-Flotte ergänzen und das Mittel- und Langstreckennetz stärken.

Parallel dazu hat Riyadh Air seine Position beim Dreamliner ausgebaut. Der saudische Carrier zog Optionen aus einer Bestellung von 2023 und wandelte 20 Maschinen in die größere 787-10-Variante um. Insgesamt wächst der feste Orderbestand der Airline damit auf 67 Boeing-787-Flugzeuge, sobald die verbleibenden Einheiten final bestätigt sind. Hinzu kommt ein Auftrag von SMBC Aviation Capital über 100 Maschinen der 737-Max-Reihe — aufgeteilt auf die Standardversion Max 8 und die noch nicht zugelassene Langversion Max 10.

Produktion bleibt der Flaschenhals

Die Auftragsbücher füllen sich schneller, als Boeing derzeit liefern kann. Verkehrsflugzeug-Chefin Stephanie Pope räumte vor Messebeginn ein, dass die Lieferkette weiterhin volatil sei — vor allem bei Triebwerken. Lieferengpässe von GE Aerospace und die Zertifizierung neuer Sitze bremsen aktuell die Auslieferung der 787-Jets, was auch einen Produktionsausbau verzögern könnte.

Bei der 737 Max will Boeing die Monatsproduktion von derzeit rund 42 auf perspektivisch 63 Maschinen steigern, nachdem die FAA das nach den Produktionsmängeln von 2024 verhängte Limit gelockert hat. Am vergangenen Freitag erhielt der Hersteller zudem die Erlaubnis zurück, Flugtüchtigkeitszeugnisse für 737 Max und 787 selbst vor der Auslieferung auszustellen — ein wichtiger Vertrauensbeweis der Aufsichtsbehörde. Die überarbeitete 777X soll nach jahrelanger Verspätung ab 2027 endlich an Kunden gehen; die Verzögerungen haben den Konzern bereits Milliarden gekostet.

An der Börse kam die Nachrichtenflut gut an: Im vorbörslichen Handel legte die Boeing-Aktie am Montag um gut ein Prozent auf 216,51 US-Dollar zu, nach einem Freitagsschluss bei 214,03 US-Dollar. Der schnellere Produktionshochlauf gilt als entscheidend dafür, wie zügig Boeing seine in den Krisenjahren aufgehäuften Schulden abbauen kann.