Sieben Jahre nach dem ersten Rollout hat Boeing die Freigabe für die größte 737-Max-Variante in der Tasche. Die US-Luftfahrtaufsicht FAA erteilte der 737-10 am Dienstag die finale Zertifizierung. Die Auslieferungen sollen in den kommenden Monaten beginnen.

Ein Jahrzehnt-Projekt kommt ans Ziel

Das erste Flugzeug lief bereits im November 2019 vom Band. Ursprünglich wollte Boeing die Maschine ab 2020 ausliefern. Dann zogen sich die Verzögerungen hin, zuletzt sorgte Ende September ein frisch entdeckter Softwarefehler für Unruhe. Die FAA stufte ihn schließlich nicht als Hindernis ein.

Die Maschine bietet bis zu 230 Sitze und tritt gegen den Airbus A321neo an. Boeing wirbt mit den niedrigsten Kosten pro Sitz unter den in Betrieb befindlichen Eingangflurflugzeugen. Die Reichweite liege zudem 365 Seemeilen über der von Wettbewerbern ohne Zusatztanks. Als Neuerung wird ein verbessertes Anstellwinkelsystem Standard in der gesamten 737-Max-Familie.

Transportminister Sean Duffy wollte die Zertifizierung am Dienstag im Werk Everett bewerben. Dort hat Boeing im Juli eine neue Produktionslinie eröffnet, um die 737-Fertigung hochzufahren. Montiert wird das Modell außerdem in Renton.

Auftragsbuch gibt Rückhalt

Mehr als 30 Kunden haben die 737-10 bestellt, zusammen rund 1.555 Flugzeuge. Das entspricht gut 30 Prozent des Auftragsbestands der Max-Reihe. Größter Abnehmer ist United Airlines mit 167 festen Bestellungen. Auch Ryanair, Delta, American und Alaska Airlines zählen zu den Käufern.

Die kleinste Variante, die 737 Max 7, hatte die Behörde bereits im August zugelassen. Damit rückt die Max-Familie der Vollständigkeit näher. Für Boeing ist das ein wichtiger Meilenstein, auch wenn die Vorgeschichte der Baureihe nachwirkt: Nach zwei Abstürzen 2018 und 2019 mit 346 Toten blieb die Produktion eingeschränkt. Der Rumpfteil-Zwischenfall vom Januar 2024 nährte zusätzlich Zweifel am Qualitätsmanagement.

An der Börse blieb die Reaktion zurückhaltend. Die Aktie schloss am Dienstag bei 190,47 Dollar, ein Minus von 0,5 Prozent. Nachbörslich legte sie zeitweise leicht auf 191,15 Dollar zu.

Konjunktureller Gegenwind im Luftverkehr

Das Umfeld ist gemischt. Nach Citi-Daten sank die weltweite Flugaktivität in Kalenderwoche 42 um 2,7 Prozent zum Vorjahr, nach minus 1,5 Prozent in der Woche davor. Im Nahen Osten gingen die Flüge um 19,2 Prozent zurück, was die Verbindungen zwischen Europa und Asien belastet. In den USA stieg die Aktivität dagegen um 0,6 Prozent.

Für Boeing zählt nun die Umsetzung: Die ersten Auslieferungen der 737-10 sind für die kommenden Monate vorgesehen, ein genaues Datum nannte das Unternehmen nicht.