Boston Scientific setzt auf eine riskante Vorwärtsstrategie. Nach einem massiven Kurssturz von fast 55 Prozent im vergangenen Jahr stabilisierte sich das Papier am Freitag bei 40,11 Euro. Es war ein vorsichtiges Plus von 1,65 Prozent.

Rückrufe und Index-Druck

Das Unternehmen kämpft an mehreren Fronten. Ende Juni flog Boston Scientific aus den Russell-Wachstumsindizes. Diese Anpassung löste automatische Verkäufe bei vielen großen Fonds aus.

Währenddessen belastet ein Rückruf in den USA die Stimmung. Betroffen sind rund 9.750 Orca-Ventile. Bei diesen Geräten gab es Probleme mit klemmenden Absaugknöpfen. Obendrein schwächelt das Wachstum der wichtigen Watchman-Sparte.

Die operativen Zahlen fielen zuletzt dennoch solide aus. Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 11,6 Prozent auf 5,20 Milliarden Dollar. Ein Gewinn je Aktie von 0,80 Dollar untermauerte dieses Ergebnis.

Milliarden-Investition in Herz-Technik

Trotz dieser Zahlen notiert das Papier gefährlich nahe am Jahrestief von 37,08 Euro. Das Management reagiert nun mit Expansion. Für 1,5 Milliarden Dollar kaufte sich der Konzern eine Beteiligung von 34 Prozent an MiRus.

Dieser Schritt sichert Boston Scientific den Zugriff auf neue Technologien für den Herzklappen-Ersatz. Parallel dazu stützt das Unternehmen den Kurs durch eigene Mittel. Ein Aktienrückkaufprogramm über 5 Milliarden Dollar läuft bereits seit Mai 2026.

Analysten bewerten die Lage trotz der Turbulenzen optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 83 Dollar. Die Marke von 40 Euro bleibt nun die entscheidende psychologische Hürde für die kommenden Handelstage.