Boston Scientific lässt die Kriegskasse springen: Der Medizintechnikkonzern übernimmt Penumbra für satte 14,5 Milliarden Dollar. Die Nachricht kam am Donnerstag und versetzt die Branche in Aufruhr. Penumbra-Aktionäre dürfen sich über einen Aufschlag von 19,3 Prozent auf den Schlusskurs vom 14. Januar freuen – 374 Dollar je Anteilsschein. Wahlweise gibt’s auch Boston-Aktien im Tausch.

Die Reaktion des Marktes fiel gespalten aus: Penumbra-Papiere schossen im vorbörslichen Handel um über zehn Prozent nach oben. Kein Wunder bei dieser Prämie. Die Boston-Aktie hingegen gab vier Prozent nach. Offenbar fürchten Anleger die Belastung durch den Deal.

Was steckt hinter dem Milliarden-Coup?

Boston Scientific zahlt rund 11 Milliarden Dollar in bar – finanziert durch vorhandene Mittel und neue Schulden. Die restlichen 27 Prozent werden in eigenen Aktien beglichen, genauer gesagt 3,8721 Stück je Penumbra-Anteil. Im ersten Jahr nach Vollzug soll die Übernahme den bereinigten Gewinn je Aktie um 0,06 bis 0,08 Dollar belasten. Im zweiten Jahr wird Neutralität erwartet, danach soll’s bergauf gehen.

Was reizt Boston Scientific an Penumbra? Der Deal öffnet die Tür zu neuen Wachstumsfeldern: mechanische Thrombektomie und neurovaskuläre Segmente. Penumbra hat sich auf Geräte spezialisiert, die Blutgerinnsel entfernen – bei Lungenembolien, Schlaganfällen, tiefen Venenthrombosen und anderen lebensbedrohlichen Zuständen. Mike Mahoney, Vorstandschef von Boston Scientific, spricht von „schnell wachsenden Segmenten im vaskulären Bereich“.

Penumbra liefert Wachstumszahlen

Die Zahlen geben ihm recht: Penumbra erwartet für das vierte Quartal ein Umsatzplus von 21,4 bis 22 Prozent. Für das Gesamtjahr 2025 rechnet das Unternehmen mit Erlösen von etwa 1,4 Milliarden Dollar – ein Sprung um 17,3 bis 17,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Boston Scientific selbst steht mit einer Marktkapitalisierung von knapp 139 Milliarden Dollar da und erwirtschaftete zuletzt 19,35 Milliarden Dollar Umsatz.

Ein pikantes Detail: Adam Elsesser, Vorsitzender und Chef von Penumbra, wird nach Abschluss in den Verwaltungsrat von Boston Scientific einziehen. Das Signal ist klar – man will die Expertise an Bord holen.

2026 soll’s soweit sein

Der Deal muss noch durch die üblichen Hürden: Zustimmung der Penumbra-Aktionäre, Genehmigung der Aufsichtsbehörden. Geplanter Vollzug: irgendwann 2026. Damit wäre dies eine der ersten großen Fusionen im Healthcare-Sektor des laufenden Jahres – möglicherweise der Auftakt zu weiterer Konsolidierung in der Medizintechnikbranche.

Boston Scientific mit seinen moderaten Schulden und einem freien Cashflow von 3,82 Milliarden Dollar in den letzten zwölf Monaten kann sich den Kraftakt leisten. Die Frage ist nur: Wird der Markt die Verwässerung verzeihen und die strategischen Vorteile honorieren?