Ein überraschender Wechsel an der Finanzspitze, gespaltene Analystenmeinungen und eine milliardenschwere Transformation unter Zeitdruck: British American Tobacco steckt mitten im Umbruch. Während die Aktie zum Wochenausklang etwas zulegte, bleibt die Frage, ob der Konzern den Balanceakt zwischen alter Tabakwelt und neuer „Smoke-Free“-Zukunft meistern kann.

Machtpoker an der Finanzspitze

Die Woche begann mit einem Paukenschlag: CFO Soraya Benchikh verließ überraschend das Unternehmen und den Aufsichtsrat. Javed Iqbal, bisher für Digitales verantwortlich, übernimmt vorläufig die Finanzen – eine interessante Personalie in Zeiten, in denen BAT seinen Zukunftskurs zunehmend über digitale Kanäle und neue Produktkategorien definiert. Die Märkte reagierten zunächst verhalten, doch die Bestätigung der Jahresziele durch das Unternehmen beruhigte die Gemüter vorerst.

Analysten-Zerrbild

Die Bewertung des Tabakriesen könnte unterschiedlicher kaum sein. Während die Bank of America mit einem Neustart der Coverage und einem „Buy“-Rating optimistisch stimmt und Barclays sein „Overweight“ bekräftigt, bleibt Morgan Stanley skeptisch und hält am „Underweight“ fest. Diese Kluft spiegelt die fundamentale Unsicherheit wider: Schafft BAT den angekündigten Wandel bis 2035, wo dann die Hälfte des Umsatzes aus „rauchfreien“ Produkten wie Vuse-E-Zigaretten und Velo-Nikotinbeuteln stammen soll?

Institutionelle setzen Zeichen

Trotz der Divergenz an der Analystenfront signalisieren große Investoren Zuversicht. Charles Schwab Investment Management stockte seine Position um beachtliche 16,8 Prozent auf – ein klares Votum für die Langzeit-Strategie. Diese institutionelle Unterstützung trieb die Aktie am Freitag spürbar nach oben.

Die eigentliche Bewährungsprobe steht jedoch noch aus. Die Ernennung eines dauerhaften CFO wird entscheidend sein, um dem Transformationskurs Glaubwürdigkeit zu verleihen. Bis zur nächsten größeren Marktinfo im Dezember mit dem Pre-Close-Statement wird BAT vor allem eines brauchen: Geduld von seinen Anlegern.