Bei Broadcom prallen derzeit zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite pumpt das Unternehmen Milliarden in neue KI-Infrastruktur. Auf der anderen Seite eskaliert der Streit um die VMware-Übernahme. Die Aktie reagiert am Freitag mit leichten Verlusten und notiert bei 356,85 Euro.
Eskalation im VMware-Streit
Der britische Supermarkt-Riese Tesco zieht gegen Broadcom vor Gericht. Das Unternehmen fordert vor dem Londoner High Court Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe. Der Vorwurf lautet auf missbräuchliches Verhalten nach der VMware-Übernahme. Tesco kritisiert drastische Preiserhöhungen von rund 175 Prozent.
Außerdem werfen die Briten Broadcom vor, den Support für gekaufte Dauerlizenzen zu verweigern. Die Konsequenz: Tesco zieht die Reißleine. Der Konzern verlagert aktuell 40.000 Server-Workloads weg von VMware. Das zeigt die handfesten Risiken der neuen Preisstrategie.
Milliarden-Wette auf KI
Parallel dazu treibt das Management seine KI-Ambitionen voran. Broadcom startet eine neue Infrastruktur-Plattform. Partner sind die Finanzinvestoren Apollo und Blackstone. Gemeinsam stellen sie eine erste Finanzierungstranche von 35 Milliarden US-Dollar bereit.
Das Geld fließt in den Ausbau von Rechenzentren für führende KI-Labore wie Anthropic. Bis 2028 soll eine Kapazität von mehr als 20 Gigawatt entstehen. Analysten von JPMorgan werten diese langfristigen KI-Chancen äußerst positiv. Sie raten Anlegern zum aggressiven Kauf der Aktie.
Schuldenabbau und Insider-Verkäufe
Auch abseits des operativen Geschäfts räumt Broadcom auf. Der Konzern kaufte kürzlich alte Anleihen im Wert von knapp drei Milliarden US-Dollar zurück. Das Ziel: Die Zinslast für die Zukunft senken. Investoren hatten dem Unternehmen Papiere für rund 5,5 Milliarden Dollar angeboten.
Derweil trennte sich Chefjurist Mark David Brazeal von Aktien. Er verkaufte Papiere für gut drei Millionen Dollar. Ein Grund zur Sorge ist das aber nicht. Es handelte sich um automatische Verkäufe zur Deckung von Steuerpflichten.
Auf Jahressicht steht für die Aktie ein solides Plus von gut 20 Prozent auf der Anzeigetafel. Aktionäre blicken nun auf den 30. Juni. An diesem Tag schüttet Broadcom eine Quartalsdividende von 0,65 US-Dollar je Aktie aus.
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