Das KI-Startup Anthropic plant einen eigenen Chip. Das Unternehmen verhandelt bereits mit Samsung über eine mögliche Fertigung. Für Broadcom ist das eine unbequeme Nachricht. Die Aktie stürzte am Donnerstag ab und riss den gesamten Halbleitersektor mit in die Tiefe.
Gefahr für das lukrative Custom-Geschäft
Anthropic arbeitet im frühen Stadium an einer eigenen KI-Hardware. Wofür der Chip genutzt wird und wie leistungsstark er ausfällt, bleibt bisher offen. Der KI-Entwickler könnte das Projekt sogar noch komplett stoppen. Das Management betont weiterhin die Wichtigkeit bestehender Chips von Google, Amazon und Nvidia.
Für Broadcom steht dennoch viel auf dem Spiel. Erst im April schloss der Konzern einen langfristigen Vertrag mit Anthropic und Google ab. Ab 2027 liefert Broadcom Rechenleistung im Umfang von rund dreieinhalb Gigawatt. Diese Partnerschaft gilt als zentrales Fundament für Broadcoms Wachstum.
Die Börse reagierte nervös auf den Vorstoß von Anthropic. Der amerikanische Halbleiterindex verlor am Mittwoch und Donnerstag kumuliert über zehn Prozent. Das markiert den stärksten Zweitageseinbruch seit fast einem Monat. Branchengrößen wie ASML, Nvidia und Intel gaben spürbar nach.
Broadcom selbst stand bereits vor der Nachricht unter Druck. Die Aktie fiel zur Wochenmitte auf 357,09 US-Dollar. Der Kurs rutschte unter wichtige technische Durchschnittslinien. Ein Insiderverkauf verstärkte die Skepsis. Kürzlich trennte sich Direktorin Justine Lien von 1.602 Aktien.
Ein versteckter Gewinn?
Experten relativieren den Absturz. Wenn Technologiekonzerne eigene Chips entwickeln, bauen sie diese selten allein. Sie suchen sich erfahrene Partner für das Design. Google nutzt für seine TPU-Chips seit rund einem Jahrzehnt die Expertise von Broadcom. Meta verfährt bei seinen eigenen Beschleunigern nach demselben Prinzip.
Sogar OpenAI stellte letzte Woche einen neuen Prozessor vor. Broadcom hat diesen gebaut. Die Folge: Ein eigenes Anthropic-Design bedeutet keinen zwingenden Verlust für Broadcom. Das Unternehmen könnte am Ende das Design übernehmen.
Anthropic verhandelt aktuell völlig ergebnisoffen mit Samsung. Das Projekt kann jederzeit scheitern. Die starke Marktreaktion zeigt jedoch die enorme Sensibilität der Investoren. Jeder Versuch von KI-Firmen, unabhängiger von etablierten Chip-Partnern zu werden, löst sofort Verkaufsdruck aus. Solange Broadcom seinen KI-Auftragsbestand von 73 Milliarden US-Dollar routiniert abarbeitet, ruht das Kerngeschäft allerdings auf einem massiven Fundament.
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