Krypto-Börse trifft auf milliardenschwere Übernahme — und trotzdem fällt der Kurs. Bullish verfolgt eine ambitionierte Transformation, doch der Markt quittiert sie bisher mit Skepsis.
Volatilität fällt, Aktivität auch
Die Mai-Kennzahlen zeigen ein klares Bild. Die annualisierte Volatilität bei Ethereum ist von über 80 Prozent Anfang des Jahres auf 36 Prozent im Mai gesunken. Das klingt nach Stabilität — zieht aber auch weniger Handelsvolumen an.
Bullish konnte sich trotzdem im Derivatebereich behaupten. Im April hielt das Unternehmen einen Marktanteil von 14 Prozent beim Open Interest für Bitcoin-Optionen. Das macht Bullish zum weltweit zweitgrößten Marktplatz für diese Produkte.
4,2-Milliarden-Deal als Richtungsentscheidung
CEO Tom Farley will Bullish breiter aufstellen. Das Ziel: weniger Abhängigkeit vom reinen Handelsvolumen. Der geplante Kauf des Dienstleisters Equiniti für rund 4,2 Milliarden USD ist der größte Schritt in diese Richtung.
Die Idee dahinter ist konkret: Equiniti ist ein regulierter Transferagent. Bullish bringt eine Tokenisierungsinfrastruktur mit. Zusammen soll daraus ein Anbieter entstehen, der traditionelle Kapitalmärkte mit digitalen Assets verbindet.
Parallel dazu hat das Unternehmen Anträge bei der US-Aufsichtsbehörde CFTC eingereicht — für eine Lizenz als Designated Contract Market und als Derivatives Clearing Organization. Eine Genehmigung würde Bullish den direkten Zugang zu US-Terminmärkten öffnen.
Kurs weit unter Jahreshoch
An der Börse kommt die Strategie noch nicht an. Die Aktie notiert bei 27,16 USD — rund 44 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 48,93 USD, das Anfang Mai erreicht wurde. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp 31 Prozent. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 37,52 USD, also fast 28 Prozent über dem aktuellen Kurs.
Der RSI notiert bei 34,6 — technisch im überverkauften Bereich. Das 52-Wochen-Tief bei 24,79 USD ist dabei nicht weit entfernt.
Ob die Aktie dreht, hängt maßgeblich von zwei Ereignissen ab: dem Abschluss der Equiniti-Übernahme und der CFTC-Entscheidung über die eingereichten Lizenzen. Kommen beide durch, wäre Bullish ein fundamental anderes Unternehmen als heute.
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