Bei 8,30 bis 8,34 Euro ist die BYD-Aktie zuletzt an den deutschen Börsen gehandelt worden. Innerhalb einer Woche verlor das Papier fast 4 %, seit Jahresbeginn summiert sich der Rückgang auf rund 22 %. Von einer nachhaltigen Erholung kann damit keine Rede sein. Die Analysten halten dennoch an ihren durchschnittlichen Kurszielen von etwa 14 Euro fest. Das entspricht gegenüber dem aktuellen Niveau einem rechnerischen Aufwärtspotenzial von ungefähr 68 %. Zwischen den Erwartungen der Experten und der tatsächlichen Kursentwicklung liegt damit eine erhebliche Differenz.
Kurse könnten klettern. Dies ist die gute Aussicht!
An der Börse wird derzeit vor allem die Schwäche des chinesischen Heimatmarktes berücksichtigt. BYD verkauft dort weiterhin zahlreiche Fahrzeuge, steht allerdings unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Die Entwicklung im Inland belastet die Einschätzung der künftigen Erträge. Ausgleichen soll das zunehmend das Auslandsgeschäft. Gerade dort erzielt BYD höhere Margen und kann seine Fahrzeuge auf Märkten anbieten, die für den Konzern wirtschaftlich besonders attraktiv sind.
Wie stark dieser Bereich inzwischen wächst, zeigen die jüngsten Exportzahlen. Im September lieferte BYD rund 189.000 Fahrzeuge ins Ausland und erreichte damit einen neuen Rekord. Für das gesamte Jahr werden inzwischen 1,9 bis 2 Millionen exportierte Fahrzeuge angestrebt. Noch zu Jahresbeginn hatte das Unternehmen lediglich 1,3 Millionen Fahrzeuge als Ziel genannt. Die inzwischen deutlich höheren Erwartungen zeigen, welche Bedeutung das internationale Geschäft für BYD gewonnen hat. Allerdings entstehen mit der zunehmenden Abhängigkeit vom Export auch neue Risiken. Besonders in Europa muss sich der chinesische Hersteller auf Handelsbeschränkungen und politische Vorgaben einstellen. Zuletzt sorgten Meldungen über eine mögliche Begrenzung chinesischer Hybridautoexporte in die EU auf 350.000 Fahrzeuge jährlich für zusätzliche Unsicherheit.
BYD versucht deshalb, seine Präsenz in Europa grundlegend zu verändern. Statt Fahrzeuge ausschließlich aus China zu liefern, sollen sie zunehmend direkt in der Region produziert werden. Mittelfristig sind offenbar drei Produktionsstandorte vorgesehen. Gleichzeitig soll die europäische Belegschaft bis 2030 auf mehr als 40.000 Beschäftigte wachsen. Damit würde Europa nicht nur als Absatzmarkt, sondern auch als Produktionsstandort erheblich an Bedeutung gewinnen.
Eine Fertigung innerhalb der EU könnte die Auswirkungen von Importbeschränkungen und zusätzlichen Zöllen deutlich verringern. Außerdem würde BYD seine Position auf einem Markt stärken, auf dem das Unternehmen bislang höhere Margen erzielen kann als in China. Kurzfristig lässt sich dieser Umbau allerdings nicht abschließen. Neue Werke benötigen Investitionen, Personal und Zeit, bevor sie in größerem Umfang zur Produktion beitragen können. Für die Börse bleibt deshalb zunächst offen, wann sich die internationale Expansion auch in entsprechend höheren Gewinnen niederschlägt. Hier liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen den Einschätzungen der Analysten und dem aktuellen Marktgeschehen. Die wirtschaftlich orientierten Experten berücksichtigen bereits die möglichen Erträge aus einem erheblich größeren Auslandsgeschäft. Die Anleger reagieren dagegen auf die gegenwärtigen Schwierigkeiten in China und die Unsicherheiten im internationalen Handel.
Analysten sehen indes Kursziele bei rund 14 Euro immer noch als die große Chance an.
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