Unter 9 Euro gerät für BYD die nächste runde Kursmarke in den Blick. Am Donnerstag rutscht die Aktie im europäischen Handel um etwa 1,5 bis 2 % auf 8,97 Euro ab. Die 10-Euro-Marke liegt inzwischen gut 11 % entfernt. Noch erheblich größer ist die Lücke zu den Analystenerwartungen: Im Mittel werden Kursziele von rund 14 Euro genannt. Dabei erweitert BYD sein Geschäft weiter und greift inzwischen auch im schweren Straßengüterverkehr an. Auf der IAA Transportation 2026 in Hannover zeigt der chinesische Konzern mit dem ETT 44 eine elektrische 44-Tonnen-Zugmaschine für den Fernverkehr. Im Vordergrund steht weniger eine weitere Steigerung der Reichweite als die Frage, wie sich lange Ladepausen verkürzen lassen.

Dafür setzt BYD auf sein Megawatt Charging System. Über den konventionellen CCS2-Anschluss kann der ETT 44 mit maximal 420 kW geladen werden, am hauseigenen System sind es mehr als 1,5 Megawatt. Der 651-kWh-Akku soll sich damit innerhalb von 20 Minuten von 20 auf 80 % laden lassen. Für Speditionen bestimmt die Dauer solcher Stopps mit, wie lange ein Fahrzeug nicht für Transporte eingesetzt werden kann. BYD kombiniert die hohe Ladeleistung deshalb mit einer Reichweite von bis zu 600 Kilometern. Die Energie liefert ein Blade-Akku auf 851-Volt-Basis.

10 Euro sind wichtig

Auch bei der Antriebsleistung ist der ETT 44 auf den schweren Fernverkehr ausgelegt. Die 4×2-Zugmaschine kommt auf 743 PS Dauerleistung und bis zu 1.000 PS Spitzenleistung. BYD tritt mit dem Modell in einem Markt an, in dem unter anderem Daimler Truck, Volvo, Scania und MAN vertreten sind. Für den gewerblichen Dauereinsatz gibt der Hersteller auf die Batterie eine Garantie von zehn Jahren oder 1,2 Millionen Kilometern. Eine automatische Distanzregelung und ein Totwinkelwarner gehören ebenfalls zur Ausstattung.

Über das Fahrzeug hinaus will BYD auch die dafür notwendige Infrastruktur liefern. Unter dem Begriff „Total Cost of Mobility“ bündelt der Konzern den elektrischen Sattelzug mit Ladestationen, Puffer-Großspeichern, intelligentem Energiemanagement und maßgeschneiderten Finanzierungen. Flottenbetreiber können damit Fahrzeug und Teile der Energieversorgung aus einem Angebot beziehen.

Die Verkürzung der Ladezeiten verfolgt BYD auch außerhalb des Lkw-Geschäfts. Die Super e-Platform arbeitet mit einer 1.000-Volt-Architektur und Ladeleistungen von bis zu 1.000 Kilowatt. Über ein Doppelanschluss-System sollen sich innerhalb von fünf Minuten bis zu 400 Kilometer Reichweite nachladen lassen. Für den chinesischen Heimatmarkt sind mehr als 4.000 entsprechende Hochleistungsladestationen geplant.

Auch bei der Batterietechnik ist die nächste Ausbaustufe bereits terminiert. Für 2027 plant BYD eine Demonstrationsflotte mit Feststoffzellen. Um 2030 soll eine breitere Massenfertigung folgen. An der Börse schlägt sich die Erweiterung des Geschäfts derzeit nicht in höheren Notierungen nieder. Mit 8,97 Euro liegt die BYD-Aktie am Donnerstag weiterhin deutlich unter der 10-Euro-Marke. Die durchschnittlichen Analystenziele von rund 14 Euro liegen nochmals erheblich darüber.