Mit einer gezielten Gewerbe-Offensive nimmt der chinesische Automobilriese BYD das deutsche Personenbeförderungssegment ins Visier. Als Speerspitze dient überraschenderweise kein reine Stromer, sondern der Seal 6 DM-i Touring – ein 4,84 Meter langer Plug-in-Hybrid-Kombi. BYD verspricht eine rein elektrische Reichweite von bis zu 100 Kilometern sowie eine kombinierte WLTP-Reichweite von bis zu 1.350 Kilometern. Später sollen die vollelektrischen Modelle Atto 3 Evo und Sealion 7 das Flottenangebot ergänzen.
Strategische Partnerschaften und Vertriebsinnovation
Der Umbau zum Taxi erfolgt über vier etablierte Spezialbetriebe: DIE Transform, Intax, Heedfeld und Reuss. Gemeinsam mit DIE Transform stehen bereits rund 100 umgebaute oder kurzfristig lieferbare Fahrzeuge bereit. Neu ist vor allem die Vertriebsstruktur: BYD bindet die Umrüster direkt in den Verkaufsprozess ein und bietet Kunden ein durchgehendes Paket vom Kauf bis zum einsatzbereiten Fahrzeug. Damit stößt BYD direkt in die Lücke, die Mercedes-Benz nach dem Rückzug bei Werkstaxis hinterlassen hat.
Praxishürden bei Ladetechnik und Regulierung
Ob das Hybrid-Konzept auf der Straße überzeugt, hängt stark von der Ladedisziplin der Betriebe ab. Während BYD den gewichteten Verbrauch mit 1,7 Litern angibt, schlägt bei leerer Batterie ein Wert von 5,0 Litern zu Buche. Zudem stoßen die Ladezeiten (maximal 26 kW DC in der Comfort-Version) beim schnellen Schichtwechsel an Grenzen. In Städten wie Hamburg, wo seit Anfang 2025 nur noch lokal emissionsfreie Taxis neu zugelassen werden, bleibt der Plug-in-Hybrid gar komplett außen vor.
Aggressive Preispolitik trifft auf globale Expansion
Der Vorstoß ins Taxigewerbe ist die logische Verlängerung der bisherigen Preisstrategie. Nach einer erneuten Verlängerung des E-Bonus winken im Privatkundenbereich Rabatte von bis zu 21.010 Euro. Diese Preismacht nutzt BYD nun im Flottengeschäft. Der globale Erfolg gibt Rückenwind: Im Juli legte der Konzernabsatz weltweit um knapp 22 % zu, wobei das Auslandsgeschäft mit 179.841 Einheiten einen Rekordanteil von 43 % erreichte.
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