Ein Baumaschinenhersteller als Profiteur des KI-Booms — das klingt zunächst ungewöhnlich. Bei Caterpillar ist genau das gerade Realität. Der Industriekonzern baut seine Fertigungskapazitäten für große Verbrennungsmotoren massiv aus, weil Rechenzentren diese Aggregate als Notstromversorgung dringend brauchen.

Rechenzentren treiben Rekord-Auftragsbuch

Caterpillar hat kürzlich bestätigt, die Produktionskapazität für große Kolbenmotoren auf mehr als 125 Prozent des Niveaus von 2023 zu steigern. Der Grund: Die KI-Infrastruktur der großen Tech-Konzerne braucht zuverlässige Backup-Stromversorgung, und Caterpillars Motoren gehören zu den gefragtesten Lösungen am Markt.

Das Ergebnis lässt sich am Auftragsbestand ablesen. Der liegt aktuell bei rund 63 Milliarden Dollar — ein Plus von 79 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Während klassische Baumaschinen-Sparten mit einem durchwachsenen globalen Umfeld kämpfen, boomt das Geschäft mit Stromerzeugungsanlagen wie nie zuvor.

Die großen Motoren laufen nicht nur in Rechenzentren. Auch Gasverdichterstationen und Bergbaubetriebe setzen stark auf die Aggregate, und dort bleiben Investitionen robust — trotz wirtschaftlicher Unsicherheit an anderer Stelle. Das Management reagiert auf die Nachfragewelle nun mit einer beschleunigten Kapazitätserweiterung.

Kurs konsolidiert nach starkem Lauf

Die Aktie schloss am Mittwoch bei 797,20 Euro. Auf Zwölfmonatssicht steht ein Kursgewinn von 124,56 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 56,01 Prozent. Damit lässt Caterpillar viele Industriewerte klar hinter sich.

Aktuell befindet sich der Titel allerdings in einer Verschnaufpause. Der Kurs liegt 15,17 Prozent unter dem Rekordhoch von 939,80 Euro aus Ende Juni 2026. Auf Wochensicht ging es um 2,88 Prozent nach unten, auf Monatssicht um 2,14 Prozent. Der RSI von 43,5 signalisiert neutrales Terrain — weder überkauft noch überverkauft.

Wall Street erhöht die Kursziele

Die Ausbau-Story hat bei Analysten neue Zuversicht ausgelöst. JPMorgan und Wells Fargo haben ihre Kursziele Mitte Juli 2026 angehoben. JPMorgan sieht die Aktie nun bei 1.165 Dollar, Wells Fargo bei 1.155 Dollar.

Beide Banken begründen die Anhebung mit der Erwartung, dass Caterpillars Umbau für das KI-Zeitalter hohe Margen sichert. Schwächen im Agrarmaschinen- oder globalen Baugeschäft könnten dadurch ausgeglichen werden. Auch institutionelle Investoren zeigen verstärktes Interesse: SEC-Meldungen zufolge haben einige Vermögensverwalter ihre Positionen im ersten Quartal um mehr als 70 Prozent aufgestockt.

Im Fokus der Investoren steht jetzt vor allem eine Frage: Wie schnell lässt sich der Rekord-Auftragsbestand von 63 Milliarden Dollar in tatsächlichen Umsatz umwandeln, sobald die neuen Kapazitäten anlaufen?

Dividende steigt, Zahlen stehen an

Caterpillar untermauert parallel seinen Ruf als verlässlicher Dividendenzahler. Der Vorstand hat die Quartalsdividende um 8 Prozent auf 1,63 Dollar je Aktie angehoben. Das erste Quartal lieferte dafür die Basis: 17,42 Milliarden Dollar Umsatz und ein bereinigter Gewinn von 5,54 Dollar je Aktie.

Der Ex-Dividende-Tag für die nächste Zahlung fällt in die zweite Julihälfte 2026, die Auszahlung folgt im August. Anfang August richtet sich der Blick dann auf die Quartalszahlen für das zweite Quartal — sie werden zeigen, wie stark sich der Rekord-Auftragsbestand bereits im Umsatz niederschlägt.