Cisco will KI-Agenten zu festen Mitgliedern von Arbeitsteams machen. Auf der Hausmesse WebexOne in Austin stellte der Netzwerkausrüster heute eine ganze Reihe neuer Collaboration-Produkte vor. Der Kern: Software-Agenten, die in Meetings, Chats und Kundengesprächen eigenständig Aufgaben erledigen.
Agenten als Teammitglieder
Webex soll über reine Chatbots hinauswachsen. Die neuen KI-Agenten lassen sich direkt in Spaces, Meetings und Anrufe einladen. Ein Beispiel aus der Präsentation: Ein Mitarbeiter bittet per @-Erwähnung einen Analyse-Agenten um Nutzungsstatistiken und lässt anschließend einen weiteren Agenten die PowerPoint-Folien aktualisieren.
Technisch stützt sich Cisco dabei auf Partner. Claude Managed Agents von Anthropic sollen demnächst Daten analysieren und Inhalte erzeugen, ohne dass Nutzer Webex verlassen. Hinzu kommt eine Anbindung an OpenAIs „dots“ über das Model Context Protocol. Dots soll künftig auch als persönlicher Dauer-Agent in Webex laufen. Identität, Sicherheit und Governance bleiben bei Cisco, Unternehmen steuern also, worauf die Agenten zugreifen dürfen.
Produktchef Jeetu Patel formulierte den Anspruch so: Die nächste Ära der Arbeit bestehe nicht darin, Chatbots an alte Werkzeuge anzuflanschen.
Arbeitsplatz und Kundenkontakt
Auch die Hardware-Seite wächst mit. RoomOS 27, das Betriebssystem für Cisco-Konferenzgeräte, erscheint im November. Dank einer neuen Partnerschaft mit Google unterstützen die Geräte nun nativ Google Meet, neben Webex, Microsoft Teams und Zoom.
Cisco bezeichnet sich damit als offenste Collaboration-Hardware am Markt. Der neue KI-Assistent im Raum versteht 32 Sprachen und kann etwa auf den Hinweis, es sei zu warm, die Temperatur senken und die Jalousien herunterfahren.
Über Cisco Cloud Control verknüpft der Konzern Netzwerk, Geräte und Raumbelegung. IT-Teams sehen so, wo Störungen auftreten und wie viele Mitarbeiter sie betreffen. Ein neuer Workplace Designer erstellt aus einer Straßenadresse einen Gebäudeplan. Die Deckenlautsprecher Ceiling Speaker Pro laufen über ein einziges Ethernet-Kabel.
Für den Kundenservice präsentiert Cisco „Dialog“. Die Plattform lässt Agenten auch nach Ende eines Gesprächs weiterarbeiten, bis ein Anliegen gelöst ist. Sie bündelt Kundenhistorie und Unternehmensdaten und lernt aus jeder Interaktion. Abgesichert wird das Ganze durch Cisco AI Defense, die Überwachung liefert Splunk.
Einordnung
Die Ankündigungen sind Produktneuheiten, konkrete Umsatzziele nannte Cisco nicht. Strategisch passt der Schritt ins Bild: Der Konzern bündelt Collaboration, Netzwerk, Sicherheit und Observability auf einer Plattform und setzt darauf, dass Kunden KI-Agenten lieber im vertrauten, abgesicherten Umfeld einsetzen. Greifbar wird der Zeitplan im November, wenn RoomOS 27 erscheint. Die Claude-Integration folgt laut Cisco „bald“, ein Termin steht nicht fest.
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