Coinbase will den lukrativen Markt für die institutionelle Krypto-Verwahrung erobern und hat dafür eine wichtige Hürde genommen. Die vorläufige Genehmigung für eine bundesweite Trust-Lizenz durch die US-Behörde OCC verspricht dem Unternehmen einen einheitlichen Rechtsrahmen. Allerdings ruft dieser strategische Schritt nun die traditionelle Bankenlobby auf den Plan, die vehement gegen die Zulassung protestiert.

Gestern legte das Papier um 3,4 Prozent zu. Dieser Anstieg resultiert einerseits aus dem Rückenwind eines stärkeren Bitcoins, der um die Marke von 69.355 US-Dollar pendelt. Andererseits honoriert der Markt die operativen Fortschritte. Mit der Erlaubnis, die „Coinbase National Trust Company“ zu gründen, könnte die Krypto-Börse den bisherigen Flickenteppich aus bundesstaatlichen Lizenzen hinter sich lassen. Unter bundesweiter Aufsicht sollen Verwahrungs- und Zahlungsdienstleistungen für Großkunden ausgebaut werden, ohne dabei als klassische Geschäftsbank mit Privatkundeneinlagen aufzutreten.

Gegenwind der Bankenlobby

Die etablierte Finanzwelt beobachtet diese Entwicklung mit Sorge. Kurz nach der Bekanntgabe durch Coinbase positionierte sich die Bankenvereinigung ICBA deutlich gegen das Vorhaben. Der Verband bezeichnete die vorläufige Genehmigung als schweren Fehler, der US-Verbraucher gefährde. In einem Schreiben warnt die Interessengruppe vor unzureichenden Risikokontrollen und unklaren Profitabilitätsaussichten bei der Krypto-Börse.

Gemeinsam mit anderen Verbänden wie der American Bankers Association fordert die ICBA die Aufsichtsbehörde auf, ausstehende Anträge von Krypto-Unternehmen vorerst zu blockieren. Die Argumentation der Lobbyisten stützt sich darauf, dass die Struktur des US-Bankensystems durch solche Zulassungen gefährdet sei.

Wachsender Wettbewerb und schwache Zahlen

Der regulatorische Vorstoß fällt in eine Phase intensiven Wettbewerbs. Die Konkurrenz schläft nicht: Neben Krypto-nativen Firmen drängen zunehmend etablierte Akteure in den Markt. So plant Charles Schwab Berichten zufolge noch im ersten Halbjahr 2026 den Start des Spothandels für Bitcoin und Ethereum. Die von Schwab unterstützte Handelsplattform EDX Markets hat mittlerweile ebenfalls eine OCC-Trust-Lizenz beantragt.

Gleichzeitig steht das Kerngeschäft von Coinbase unter Druck. Im vierten Quartal 2025 verfehlte das Unternehmen mit einem Umsatzrückgang auf 1,71 Milliarden US-Dollar die Erwartungen des Marktes. Vor allem die Transaktionserlöse gaben spürbar nach.

Die finanzielle Realität holt die strategischen Ambitionen bald ein. Am 7. Mai 2026 präsentiert Coinbase die Ergebnisse für das erste Quartal. Angesichts der jüngsten Umsatzrückgänge im Handelsgeschäft rückt die Profitabilität der neuen institutionellen Initiativen in den Fokus der Investoren. Die Analysten von Bernstein senkten ihr Kursziel bereits Ende März von 440 auf 330 US-Dollar, halten aber an ihrer „Outperform“-Bewertung fest.