Die Übernahmeschlacht um die Commerzbank tritt in ihre nächste Runde. Nach Ablauf der regulären Annahmefrist hat UniCredit seine Beteiligung rechnerisch auf knapp 40 Prozent ausgebaut — und trotzdem ist ein Abschluss so weit entfernt wie zuvor.
UniCredit kommt, aber nicht weit genug
Bis zum 16. Juni andienen Aktionäre rund 12,51 Prozent ihrer Commerzbank-Aktien. Zusammen mit dem bestehenden Direktanteil von 26,77 Prozent hält UniCredit damit rechnerisch 39,28 Prozent. Klingt nach Fortschritt. Ist es aber nicht wirklich.
Die Bundesregierung lehnte das Angebot am 17. Juni offiziell ab. Begründung: Die gebotene Prämie sei nicht angemessen. Da das Angebot als Aktientausch strukturiert ist, hängt sein impliziter Wert direkt am UniCredit-Kurs — ein strukturelles Problem, das die Attraktivität für viele Aktionäre begrenzt. Die Annahmefrist läuft nun bis zum 3. Juli 2026 weiter.
Starke Zahlen stärken die Eigenständigkeit
Das Commerzbank-Management setzt derweil auf operative Stärke als Argument gegen die Übernahme. Im ersten Quartal 2026 erzielte die Bank ein operatives Rekordergebnis von 1,4 Milliarden Euro. Der Nettoüberschuss lag bei 913 Millionen Euro — der stärkste Jahresauftakt seit 15 Jahren. Das Firmenkundengeschäft wuchs beim Kreditvolumen um 16 Prozent.
Auf dieser Basis hob der Vorstand die Jahresprognose an. Das Nettoergebnis soll 2026 mindestens 3,4 Milliarden Euro erreichen. Die Strategie „Momentum 2030″ zielt auf eine Eigenkapitalrendite von 21 Prozent. Die Cost-Income-Ratio lag im ersten Quartal bei 53 Prozent; langfristig peilt die Bank 43 Prozent an.
Kurs auf neuem Jahreshoch
Die Aktie spiegelt beides wider: die Übernahmefantasie und die operative Stärke. Im Tagesverlauf markierte das Papier bei 38,85 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Aktuell notiert es bei 38,30 Euro, rund 12,7 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt. Der RSI liegt bei 63,7 — dynamisch, aber noch nicht überhitzt.
Bis zum 3. Juli entscheidet sich, ob weitere institutionelle Anleger trotz des Bundesvetos andienen. Experten rechnen selbst im Erfolgsfall nicht vor 2027 mit einem Abschluss — die Aufsichtsbehörden prüfen noch immer die regulatorischen Bedingungen für einen möglichen Zusammenschluss.
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