Nur 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien wanderten ins Übernahmeangebot von UniCredit. Trotzdem klettert die Commerzbank-Aktie auf fast 39 Euro. Diese Diskrepanz zeigt: Der Markt traut der Eigenständigkeit der Bank mehr zu als dem italienischen Übernahmeversuch.

Am Freitag schloss das Papier bei 38,67 Euro, ein Plus von 2,41 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 2,33 Prozent zu Buche, binnen 30 Tagen waren es 7,06 Prozent. Damit fehlen nur wenige Cent zum 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro vom 19. Juni.

Orlopp nennt Bedingungen für Dialog

Nach Ablauf der weiteren Annahmefrist meldete sich Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp zu Wort. Im Interview mit der „F.A.Z.“ ordnete sie das Ergebnis des Übernahmeangebots ein. Zum ersten Mal seit Fristende sprach sie öffentlich über die Voraussetzungen für einen konstruktiven Austausch mit UniCredit.

Die Commerzbank selbst hält fest: Man bleibe offen für einen konstruktiven Dialog. Gleichzeitig betont das Institut in seiner offiziellen Position weiterhin die eigenständige Strategie als werthaltigeren Weg für die Aktionäre.

Niedrige Annahmequote, Genehmigungen stehen aus

UniCredit veröffentlichte das Ergebnis seines Umtauschangebots am 8. Juli. Bis zum Ende der weiteren Annahmefrist am 3. Juli hatten Anleger insgesamt 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient. Entscheidend ist dabei die Herkunft dieser Anteile.

Institutionelle und private Anleger dienten zusammen weniger als 2 Prozent ihrer Aktien an. Die angedienten Papiere stammen überwiegend von Banken und Parteien, die mit UniCredit verbunden sind. Die niedrige Quote unter unabhängigen Aktionären gilt als Beleg für die mangelnde Attraktivität des Angebots.

Rechtlich ist der Vorgang noch nicht abgeschlossen. Der Übergang der angedienten Aktien und Stimmrechte an UniCredit braucht noch die behördliche Genehmigung. Nach eigener Berechnung kommt UniCredit inklusive bestehender Beteiligung und Finanzinstrumenten auf rund 47,6 Prozent des Grundkapitals und 49,65 Prozent der Stimmrechte. Das verschafft der italienischen Bank erheblichen Einfluss auf künftige Hauptversammlungen, ohne dass der Deal vollzogen wäre.

Eigenständigkeit mit neuen Investitionsplänen

Parallel zur Gesprächsbereitschaft hält die Commerzbank an ihrem operativen Kurs fest. Die Bank verfolgt weiter ihre Strategie „Momentum 2030“ und will bis 2028 rund 600 Millionen Euro in künstliche Intelligenz stecken.

Automatisierte Abläufe sollen künftig bei Kundenprüfungen, Dokumentenanalysen, Vertragsentwürfen und im Risikomanagement helfen. Ab 2030 erwartet die Commerzbank daraus einen zusätzlichen jährlichen Wertbeitrag von rund 500 Millionen Euro. Nach einem starken ersten Quartal hob der Vorstand zudem die Gewinnprognose für das laufende Jahr an.

Die Kursentwicklung untermauert dieses Bild. Die Aktie notiert 4,84 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt und 12,40 Prozent über der 200-Tage-Linie. Binnen zwölf Monaten legte das Papier um 33,34 Prozent zu, die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei 41,56 Milliarden Euro.

Nächster Termin: 6. August

Der weitere Kursverlauf dürfte nun stärker von Aufsichtsbehörden abhängen als von der Annahmequote selbst. Entscheidend wird, welche Auflagen EZB und EU-Kommission für einen möglichen Kontrollübergang formulieren. Am 6. August legt die Commerzbank ihre Zahlen zum zweiten Quartal vor — dann dürfte auch klarer werden, ob aus Orlopps Gesprächsbereitschaft echte Verhandlungen mit UniCredit werden.