Bettina Orlopp bringt Bewegung in den seit Jahren schwelenden Übernahmestreit. Die Vorstandsvorsitzende der Commerzbank hat am Sonntag die Wiederaufnahme von Fusionsgesprächen mit UniCredit bestätigt. Der italienische Großaktionär verfolgt ein feindliches Übernahmeangebot mit einem Volumen von 45 Milliarden Euro. Die Aktie hatte darauf am Freitag mit einem Kursplus von 1,34 Prozent auf 37,73 Euro reagiert und liegt damit nur noch 3,70 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro.

UniCredit hält bereits fast die Hälfte

Der italienische Rivale hat seine Position in den vergangenen Monaten kontinuierlich ausgebaut. Aktuell hält UniCredit 47,6 Prozent an der Commerzbank – eine Beteiligung, die dem Institut aus Mailand faktisch die Blockademacht über wesentliche Strukturentscheidungen der Frankfurter Bank verschafft. Die Commerzbank hatte sich der Offerte ursprünglich widersetzt, ein Umstand, der die nun bestätigte Gesprächsbereitschaft umso bemerkenswerter macht.

Die deutsche Politik sieht das Vorhaben weiterhin kritisch. Im Juni hatte die Bundesregierung erklärt, ihre eigenen Commerzbank-Anteile nicht an UniCredit verkaufen zu wollen, und sich damit hinter die Eigenständigkeit der Bank gestellt. Zwei Jahre versucht UniCredit nun schon, die Übernahme durchzusetzen – die politischen Widerstände in Berlin haben den Prozess bislang verzögert, ohne ihn zu stoppen. Dass Orlopp trotz dieser Gemengelage nun wieder das Gespräch sucht, deutet auf eine veränderte Kräfteverteilung zwischen den Lagern hin.

Orlopp setzt auf eine einvernehmliche Lösung

Trotz des feindlichen Charakters der Offerte zeigt sich die Commerzbank-Chefin zuversichtlich. Sie erwarte eine einvernehmliche Lösung mit UniCredit, heißt es aus ihrem Umfeld. Diese Einschätzung fällt in eine Phase, in der sich die italienische Bankenlandschaft ohnehin neu ordnet: Intesa Sanpaolo hat ein Gebot von 30,6 Milliarden Euro für die Bank Monte dei Paschi di Siena vorgelegt, während Banco BPM seine eigenen Gespräche mit dem toskanischen Institut ausgesetzt hat. Intesa-Chef Carlo Messina bezeichnete sein Haus in diesem Zusammenhang als „sicheren Hafen“ und kündigte an, alles Notwendige zu tun, um den Zusammenschluss zu realisieren. UniCredit selbst verfolgt diese Konsolidierung im Heimatmarkt aufmerksam, konzentriert die eigenen Ressourcen aber weiterhin auf die deutsche Übernahmeoffensive.

Ein Zusammenschluss der beiden Häuser würde die europäische Bankenlandschaft spürbar verändern und eine grenzüberschreitende Größenordnung schaffen, wie es sie im Kontinentalgeschäft bislang kaum gegeben hat. Für Anleger bleibt entscheidend, ob sich Berlin und Mailand auf Bedingungen einigen können, die beide Seiten mittragen.

Charttechnisch intakter Aufwärtstrend

Die Marktreaktion auf die jüngsten Entwicklungen fällt bislang moderat, aber positiv aus. Binnen sieben Handelstagen legte die Aktie um 2,81 Prozent zu, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 4,52 Prozent zu Buche. Mit einem RSI von 52,2 ist das Papier weder überkauft noch überverkauft, die Notiz liegt zudem 1,13 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 37,31 Euro – ein Signal für einen intakten, aber nicht überhitzten Aufwärtstrend. Bei einer Marktkapitalisierung von 41,31 Milliarden Euro bleibt die Commerzbank damit deutlich unter dem kolportierten Übernahmewert von 45 Milliarden Euro, was den Handlungsdruck auf beiden Seiten des Übernahmepokers weiter erhöhen dürfte.