Rekordgewinne im Tagesgeschäft, Abwehrkampf in der Vorstandsetage. Die Commerzbank steht vor einer entscheidenden Phase im Ringen um ihre Unabhängigkeit. Während CEO Bettina Orlopp ehrgeizige Renditeziele präsentiert, verhärten sich auf politischer Ebene die Fronten gegen die italienische UniCredit.

Gegenwind aus Berlin

Die Bundesregierung stellt sich quer. Bundeskanzler Merz und Finanzminister Klingbeil stufen das vorliegende Tauschangebot von knapp einer halben UniCredit-Aktie je Commerzbank-Papier als feindlich ein. Der Bund sitzt mit einem Anteil von zwölf Prozent am längeren Hebel. Kritiker warnen vor einer komplexen IT-Integration und kulturellen Konflikten. Ein Vergleich mit dem Postbank-Debakel der Deutschen Bank macht in Frankfurt die Runde.

Eigene Stärke als Schutzschild

Um die Mailänder Avancen abzuwehren, setzt der Vorstand auf die Strategie „Momentum 2030“. Ein starkes Auftaktquartal mit fast einer Milliarde Euro Konzernergebnis liefert erste Argumente für einen Alleingang. Der Plan für die kommenden Jahre umfasst konkrete Einschnitte und Ziele:

  • Gewinn: Mindestens 3,4 Milliarden Euro für 2026, Anstieg auf 5,9 Milliarden Euro bis 2030.
  • Effizienz: Senkung der Kosten-Ertrags-Quote auf rund 43 Prozent.
  • Stellenabbau: Streichung von 3.000 Positionen zur Kostensenkung.

Charttechnisch am Limit

An der Börse preisen Investoren das Übernahmeszenario längst ein. Die Aktie beendete den Freitagshandel bei 35,81 Euro. Auf Jahressicht steht ein sattes Kursplus von 47 Prozent auf der Anzeigetafel.

Ein RSI-Wert von über 90 signalisiert derweil eine stark überkaufte Marktlage. Analysten der RBC trauen dem Papier mit einem Kursziel von 43 Euro und einem „Outperform“-Rating dennoch weiteres Potenzial zu.

In den kommenden Tagen verschiebt sich der Fokus auf die Aktionärsstruktur. Die Mailänder könnten versuchen, die Schwelle von 30 Prozent der Anteile zu überschreiten. Parallel dazu positionieren sich institutionelle Investoren neu. Rhumbline Advisers stockte das eigene Paket zuletzt massiv auf und sichert sich damit Einfluss auf den Ausgang des Übernahmekampfes.