Monatelang blockierte die Bundesregierung jeden Gedanken an eine UniCredit-Übernahme der Commerzbank. Jetzt der Kurswechsel: Berlin bereitet konkrete Bedingungen für mögliche Verhandlungen vor. Die Commerzbank-Aktie reagierte am Freitag mit einem Kursrutsch von 3,25 Prozent auf 36,66 Euro.

Berlin verhandelt über Bedingungen statt Ablehnung

Laut übereinstimmenden Medienberichten, unter anderem von Bloomberg, arbeitet die Bundesregierung an zentralen Forderungen für Gespräche mit dem italienischen Finanzkonzern. Einen konkreten Termin für Verhandlungen gibt es noch nicht. Beobachter rechnen aber damit, dass diese zu einem späteren Zeitpunkt beginnen könnten.

Drei Punkte stehen im Zentrum der Forderungen: die Sicherung der Mittelstandsfinanzierung, der Erhalt des Finanzstandorts Frankfurt und die Eigenständigkeit der Commerzbank an der Börse. Berlin hält selbst rund 12 Prozent der Anteile und ist damit zweitgrößter Aktionär des Frankfurter Geldhauses.

Der Kurswechsel kommt nicht aus dem Nichts. UniCredit hat seine Position kontinuierlich ausgebaut und kontrolliert mittlerweile nach eigenen Angaben rund 47,59 Prozent des Commerzbank-Kapitals. Diese Zahl setzt sich zusammen aus direkt gehaltenen Aktien, im Rahmen eines Übernahmeangebots angedienten Papieren und Kaufoptionen. Mit dieser Machtposition dürfte sich der politische Druck auf Berlin erhöht haben, eine klare Verhandlungslinie zu formulieren.

Markt reagiert nervös auf den Strategiewechsel

Der Rücksetzer vom Freitag ist kein Ausreißer. Auf Wochensicht steht die Aktie mit 5,03 Prozent im Minus. Der Kurs fiel damit leicht unter seinen 50-Tage-Durchschnitt von 37,11 Euro – ein Signal, dass die kurzfristige Dynamik gerade kippt.

Der Blick auf die längerfristige Entwicklung zeigt trotzdem ein anderes Bild. Über zwölf Monate steht ein Plus von 29,22 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 39,18 Euro, erreicht erst Mitte Juli, trennen die Aktie aktuell 6,43 Prozent.

Die Marktkapitalisierung der Commerzbank liegt bei rund 41,7 Milliarden Euro. Genau diese Größenordnung macht deutlich, warum die Bedingungen aus Berlin so viel Gewicht haben: Es geht um eine der größten Bankenübernahmen, die der europäische Finanzsektor seit Jahren gesehen hat.

Für die kommenden Wochen dürfte der Kurs vor allem eines widerspiegeln: den Fortschritt der politischen Gespräche zwischen Berlin und UniCredit. Bestätigt die Bundesregierung ihre Bedingungen offiziell oder nimmt UniCredit erste Signale zur Eigenständigkeit der Commerzbank auf, könnte das für Klarheit sorgen. Bis dahin bleibt die Aktie ein Spielball der politischen Weichenstellungen in Berlin und Mailand.