Der monatelange Machtkampf um die Commerzbank nähert sich einem Wendepunkt. UniCredit hält inzwischen 48 Prozent der Anteile und hat die Commerzbank offiziell zu Fusionsgesprächen eingeladen. Aufsichtsratschef Jens Weidmann hat die Gespräche eingeleitet – ein Signal, dass der jahrelange Abwehrkampf des deutschen Instituts an sein Ende gekommen ist. Medienberichten zufolge könnte die Übernahme bereits Ende des Jahres vollzogen werden.

Bundesregierung verhandelt über Bedingungen

Im Zentrum der kommenden Wochen steht ein Termin: Am 6. August treffen sich die Vorstandschefs Orcel und Orlopp, nachdem beide Institute zuvor ihre Quartalszahlen vorgelegt haben. Parallel dazu verhandelt die Bundesregierung, die über die staatliche Beteiligungsgesellschaft KfW zwölf Prozent an der Commerzbank hält, über die konkreten Bedingungen eines möglichen Zusammenschlusses. Berlin fordert dabei drei Kernpunkte: den Erhalt der Mittelstandsfinanzierung, eine eigenständige Börsennotierung und den Fortbestand des Standorts Frankfurt. Der Bund gilt damit nicht mehr grundsätzlich als Gegner einer Übernahme, wie es zuletzt formuliert wurde – ein deutlicher Kurswechsel gegenüber der ursprünglichen Ablehnung.

UniCredit-Chef Andrea Orcel hatte im März ein Angebot von rund 35 Milliarden Euro vorgelegt, das die Commerzbank damals zurückwies. Seither hat der italienische Konzern seine Beteiligung schrittweise auf die aktuelle Schwelle ausgebaut und nach eigenen Angaben insgesamt 22 Milliarden Euro investiert. Orcel äußerte sich zuletzt zuversichtlich, dass eine Einigung über die Rahmenbedingungen erzielt werden kann. Für Anleger bedeutet das: Aus einer feindlichen Übernahmeschlacht ist ein Verhandlungsprozess mit klar definierten deutschen Interessen geworden.

Aktie pendelt unter dem Jahreshoch

Am Kapitalmarkt spiegelt sich die neue Dynamik in einer vorsichtigen Kursbefestigung. Zum Handelsschluss am Freitag stand die Commerzbank-Aktie bei 36,60 Euro, ein Plus von 0,83 Prozent auf Tagessicht. Damit bleibt das Papier rund 6,6 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das im Juli markiert wurde. Der Kurs bewegt sich derzeit knapp unterhalb seines 50-Tage-Durchschnitts, was auf eine noch nicht abgeschlossene Konsolidierung nach dem jüngsten Anstieg hindeutet. Auf Jahressicht hat sich die Aktie um mehr als ein Fünftel verteuert – ein Beleg dafür, dass der Markt die Übernahmefantasie längst einpreist, auch wenn kurzfristige Rücksetzer die Bewegung begleiten.

Was jetzt zählt

Für die kommenden Tage rückt weniger die Frage nach dem Ob als nach dem Wie in den Vordergrund. Das Treffen der beiden Vorstandschefs am 6. August dürfte zeigen, wie weit sich UniCredit den Forderungen aus Berlin annähert – etwa bei der Frage, ob die Commerzbank-Marke und ihr Geschäftsmodell für den Mittelstand erhalten bleiben. Sollte es gelingen, die Eckpunkte zwischen den beiden Häusern und der Bundesregierung zu fixieren, wäre der Weg zu einer der größten Bankenfusionen Europas seit Jahren frei. Anleger sollten den Termin im August als nächsten konkreten Prüfstein für die weitere Kursentwicklung im Blick behalten, denn von den Details der Einigung – nicht mehr von der Frage der Übernahme selbst – wird abhängen, wie der Markt das Papier in den kommenden Monaten bewertet.