Die BaFin hat den Weg für UniCredit frei gemacht: Der italienische Antrag auf eine Beteiligung von mehr als 30 Prozent an der Commerzbank ist nach Angaben vom heutigen Mittwoch vollständig und wurde an die Europäische Zentralbank weitergeleitet. Die Commerzbank-Aktie markierte im Zuge der Nachricht ihr höchstes Niveau seit 26 Jahren. Aktuell notiert das Papier bei 39,15 Euro und damit rund 1,5 Prozent unter dem am heutigen Tag erreichten 52-Wochen-Hoch von 39,75 Euro.
EZB hat 60 Arbeitstage Zeit
Die Notenbank prüft nun die aufsichtsrechtliche Seite der Transaktion. Sie hat dafür 60 Arbeitstage Zeit, die sich bei Rückfragen um weitere 20 Tage verlängern können. Eine Entscheidung wird in der zweiten Oktoberhälfte erwartet. Damit ist das Verfahren aber noch nicht abgeschlossen: Zusätzlich benötigt UniCredit grünes Licht von der EU-Kartellbehörde, von der deutschen Golden-Power-Regelung, von der US-Notenbank Federal Reserve sowie von der polnischen Finanzaufsicht. Erst wenn alle Genehmigungen vorliegen, könnte UniCredit nach aktuellem Stand in der ersten Hälfte 2027 tatsächlich die Kontrolle über die Commerzbank übernehmen.
Die Beteiligungsverhältnisse zeigen, wie weit UniCredit bereits vorangeschritten ist. Nach dem im Juli abgeschlossenen Übernahmeangebot hält das italienische Institut 47,59 Prozent des Kapitals und 49,65 Prozent der Stimmrechte. Hinzu kommen 11,48 Prozent an Derivaten ohne eigene Stimmrechte. Die Bundesregierung ist mit 12,7 Prozent an der Commerzbank beteiligt – eine Position, die im weiteren Verfahren politisches Gewicht haben dürfte.
Commerzbank hält an Widerstand fest – aber die Gespräche laufen
Trotz des fortgeschrittenen Übernahmeprozesses lehnt die Commerzbank die Offerte weiterhin offiziell ab. Für Freitag sind erste Gespräche zwischen den beiden Häusern angesetzt. Bereits am Donnerstag, unmittelbar nach der Vorlage der Commerzbank-Zahlen, sollen sich UniCredit-CEO Orcel und Commerzbank-CEO Orlopp per Videokonferenz austauschen. Aufsichtsratschef Jens Weidmann hat inzwischen Gesprächsbereitschaft signalisiert – ein Signal, das nach Monaten der Blockadehaltung als bemerkenswert gilt.
Ein Kommentar im Handelsblatt bringt die Lage auf den Punkt: Die Commerzbank-Aktie steht so hoch wie seit 2010 nicht mehr, eine Übernahme durch UniCredit gilt inzwischen als wahrscheinlich. Die Führung um Orlopp und Weidmann scheine sich zunehmend mit dieser Entwicklung abzufinden. Sollte die Transaktion tatsächlich vollzogen werden, verlöre Deutschland eine weitere eigenständige Großbank – als verbliebenes Institut dieser Größenordnung bliebe dann nur noch die Deutsche Bank.
Markt reagiert mit deutlicher Kursbewegung
Anleger haben die Nachricht positiv aufgenommen. Binnen sieben Handelstagen hat die Aktie um 6,53 Prozent zugelegt, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 8,45 Prozent. Am Markt kursiert inzwischen ein Kursziel von 45 Euro – ein Niveau, das noch einmal deutlichen Spielraum über die aktuelle Marke suggeriert, sollte sich die Übernahme wie skizziert entwickeln.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Einerseits nähert sich die Übernahme mit dem BaFin-Schritt einem wichtigen regulatorischen Meilenstein, andererseits stehen noch mehrere Genehmigungsinstanzen aus, deren Ausgang nicht vorwegzunehmen ist. Die für Donnerstag angesetzten Quartalszahlen dürften zusätzlich Aufschluss darüber geben, wie robust das operative Geschäft der Bank in dieser Übergangsphase tatsächlich läuft – und wie viel Verhandlungsmasse die Commerzbank-Führung bei den anstehenden Gesprächen mit UniCredit noch in der Hand hält.
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