Ein Update zu Übernahmeplänen sorgt für den größten Kurseinbruch der Commerzbank-Aktie seit Wochen. Unicredit-Chef Andrea Orcel nannte am Donnerstag erstmals konkrete Zahlen zu Stellenabbau und Sparkurs. Die Aktie reagierte mit einem Minus von 5,22 Prozent und schloss bei 36,30 Euro.
Orcel legt Zeitplan offen
Unicredit hatte am Donnerstag Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt. Orcel nutzte den Termin, um seine Übernahmepläne für die Commerzbank zu konkretisieren. Auffällig dabei: Er erwähnte das aktuelle Management um CEO Bettina Orlopp mit keinem Wort mehr als Verhandlungspartner.
Nach Orcels Darstellung soll die Commerzbank zunächst nicht sofort mit der italienischen Tochter HypoVereinsbank verschmelzen. Er will der Bank „zwei bis drei Jahre“ Eigenständigkeit lassen. Diese Zeit brauche es erfahrungsgemäß, um sie auf die Unicredit-Struktur auszurichten.
Branchenexperten sehen darin einen strategischen Vorteil für Orcel. Restrukturierungskosten, Abschreibungen und IT-Investitionen würden so von den verbliebenen Minderheitsaktionären mitgetragen. Erst danach plant Orcel die Zusammenführung mit der HVB.
Stellenabbau und weniger Dividende
Konkreter wurde Orcel bei den geplanten Einschnitten. Die Integrationsphase soll den Abbau von 7.000 Stellen bringen. Zusätzlich sollen Standorte im Ausland schließen.
Für Aktionäre wiegt ein anderer Punkt schwerer. Orcel bestätigte, dass Dividenden und Aktienrückkäufe der Commerzbank deutlich sinken dürften. Genau diese großzügige Ausschüttungspolitik galt bislang als wichtigstes Kaufargument für die Aktie. Der Kursrutsch am Donnerstag dürfte sich daraus erklären.
Der Streubesitz der Commerzbank wird durch die Übernahme kleiner. Das dürfte mittelfristig auch das Gewicht der Aktie in Indizes wie DAX oder Euro Stoxx Banks senken.
Kontrolle steht praktisch fest
Formal hängt die Übernahme nur noch an einer Genehmigung der Aufsichtsbehörden. Seit dem 9. Juli steht fest: Unicredit kommt auf 47,6 Prozent des Kapitals und 49,65 Prozent der Stimmrechte. Orcel rechnet mit der behördlichen Freigabe spätestens bis Jahresende.
Sollte es bis dahin keine Einigung mit Bundesregierung und Betriebsrat geben, hat Orcel eine weitere Option. Für sein geplantes Revirement könnte Unicredit noch dieses Jahr eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Die reguläre Jahreshauptversammlung wäre sonst erst im Mai 2027 fällig.
Der Kursrutsch drückte die Aktie deutlich unter ihren 50-Tage-Durchschnitt von 37,20 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, erreicht erst am 14. Juli, fehlen jetzt 7,35 Prozent. Anleger blicken nun nach Berlin: Wie Bundesregierung und Betriebsrat auf die konkretisierten Sparpläne reagieren, dürfte den nächsten Kursimpuls liefern.
Commerzbank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Commerzbank-Analyse vom 24. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Commerzbank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 24. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Commerzbank: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

