Die Frist ist abgelaufen, die Antwort der Aktionäre fällt eindeutig aus. Am Freitag endete die verlängerte Annahmefrist für das Übernahmeangebot von UniCredit. Erste Berichte zeigen: Die Akzeptanz unter unabhängigen Commerzbank-Aktionären blieb minimal.
Warum das Angebot kaum jemand annimmt
UniCredit bietet 0,485 eigene Aktien für jeden Commerzbank-Anteilsschein. Zum Start der Offerte Anfang Mai bewertete dies die Commerzbank mit rund 34,7 Milliarden Euro. Die BaFin bezifferte den rechnerischen Wert damals auf etwa 34,35 Euro je Aktie.
Die Rechnung der Aktionäre ist simpel. Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 37,79 Euro — deutlich über dem Tauschwert. Wer seine Aktien am Markt verkauft, bekommt mehr als über das UniCredit-Angebot. Genau das dürfte die geringe Andienungsquote erklären.
UniCredit-Aktionäre hatten die Ausgabe von bis zu 470 Millionen neuen Aktien bereits genehmigt, um den Deal zu finanzieren. Die fehlende Nachfrage der Commerzbank-Seite bremst das Vorhaben nun trotzdem aus.
Berlin blockiert, der Vorstand widerspricht
Der Übernahmeversuch trifft in Deutschland auf massiven Widerstand. Die Bundesregierung hält über den Finanzmarktstabilisierungsfonds rund 12 Prozent der Commerzbank-Anteile. Einen Verkauf an die Italiener lehnt sie weiterhin ab.
Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank raten ihren Aktionären ebenfalls zur Ablehnung. Ihre Begründung: Das Angebot biete weder eine angemessene Prämie noch einen überzeugenden Fusionsplan. Die Commerzbank hat zudem die BaFin eingeschaltet, um die Herkunft angedienter Aktien zu prüfen — es geht um mögliche Irreführungsvorwürfe gegen UniCredit.
UniCredit selbst gibt an, zusammen mit angedienten Aktien und Derivaten bereits über 40 Prozent an der Commerzbank zu halten. Die Commerzbank konzentriert sich derweil auf ihre eigene Strategie „Momentum 2030“. Das Ziel: eine Nettoeigenkapitalrendite von 21 Prozent bis 2030.
UniCredit liefert Zahlen, der Markt bleibt stabil
Die finanzielle Basis für den Deal stammt aus einem starken operativen Geschäft. Im ersten Quartal 2026 erzielte UniCredit einen Rekord-Nettogewinn von 3,2 Milliarden Euro — ein Plus von 16 Prozent zum Vorjahr. Der Umsatz kletterte um 5 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro.
Die Commerzbank-Aktie selbst zeigt sich derweil robust. Der Titel notiert nur 2,73 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro vom 19. Juni. Über zwölf Monate steht ein Plus von 33,06 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 3,51 Prozent.
Auch die technischen Indikatoren sprechen für einen stabilen Trend. Der Kurs liegt über allen gängigen gleitenden Durchschnitten: 50 Tage (36,59 Euro), 100 Tage (34,82 Euro) und 200 Tage (34,24 Euro). Der RSI von 57,4 signalisiert weder Über- noch Unterkauf, die 30-Tage-Volatilität liegt bei 20,49 Prozent.
Der 8. Juli wird zum Prüfstein
Am 8. Juli veröffentlicht UniCredit die endgültigen Zahlen zur Andienungsquote. Bleibt die Beteiligung unabhängiger Aktionäre niedrig, stärkt das die Position von Commerzbank-Führung und Bundesregierung. Die Lücke zwischen Angebotspreis und Börsenkurs bleibt bis dahin der entscheidende Hebel gegen den Deal.
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